VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Love eternal - Auf ewig Dein
Love eternal - Auf ewig Dein
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Love eternal - Auf ewig Dein (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In den Geschichten über Leute, die sich umbringen wollen, geht es paradoxerweise meistens um die Wiederentdeckung des Lebens. Das konnte man kürzlich in "A Long Way Down" nach dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby sehen. Und auch Ians übermäßige Beschäftigung mit dem Tod in dem irischen Coming-of-Age-Drama "Love Eternal – Auf ewig dein" dient ihm als Wegweiser in die andere Richtung. Nur wird das Thema hier ungewöhnlich makaber, schwarz und nekrophil angegangen, weshalb der Film auch auf dem Fantasy Filmfest 2013 lief. Er basiert auf dem japanischen Roman "Loving the Dead" von Kei Oishi, den der irische Regisseur und Drehbuchautor Brendan Muldowney adaptierte. Das Ergebnis ist ein faszinierendes, melancholisches und auch sehr zärtliches Vexierspiel mit zwei Gesichtern: einem, das in Erstarrung verwest, und einem, das sich berühren lässt und in Tränen ausbricht.

Ian hat sich seine depressive Art nicht ausgesucht, vielmehr scheint ihm der Tod überallhin zu folgen, seit der Vater ihn als Kind mitten im Spiel für immer verließ. Ian beschäftigt sich viel intensiver als andere Menschen mit dem Tod und all seinen Aspekten und erinnert dabei doch auch daran, dass dieses Thema fast jeden irgendwann umtreibt. Der Film benutzt als Halteseil bei seinen Ausflügen ins Abgründige den Humor. Vieles wirkt makaber zugespitzt, etwa der Umstand, dass Ians Mutter nicht mit ihm sprach, erst in ihrem Abschiedsbrief teilt sie ihm alles mit, was sie ihm sagen wollte. Mit seiner unbekümmerten Grundhaltung wagt der Film dann auch Abstecher ins Nekrophile, wenn Ian sich auf eine Leiche legt, um einen menschlichen Körper zu spüren.

Die Erzählung wird von Erinnerungen Ians unterbrochen und von plötzlichen Ausbrüchen ins Surreale – wenn eine Leiche die Augen öffnet und spricht. Immer wieder stört das Leben die ewige Ruhe, zum Beispiel beginnt das Silvesterfeuerwerk gerade in dem Moment, als Ian mit der Beerdigung einer Toten fertig ist. Robert de Hoog spielt den schmächtigen jungen Mann, der so unendlich traurig schauen kann, mit großem Einfühlungsvermögen. Das berührende Spiel dieses um sich selbst kreisenden Charakters wird flankiert von kurzen Schnitten auf fallende Blütenblätter im Frühling, auf treibende Schneeflocken. So sinnlos und abartig Ians Handlungen manchmal auch erscheinen, Muldowneys Inszenierung gibt ihnen immer wieder eine Wendung ins Nachvollziehbare, reiht sie zu Stationen einer schwierigen Entwicklung auf. Das wirkt oft sehr poetisch, wie eine künstlerische Studie über das Werden und Vergehen, über Abschied und Loslassen.

Fazit: Das melancholisch-morbide Coming-of-Age-Drama eines jungen Mannes, der dem Tod näher steht als dem Leben, ist eine originelle und bewegend gespielte Mischung aus Schaurigem, aus Witz und zärtlicher Poesie.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.