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Tour du Faso
Tour du Faso
© augenschein Filmproduktion

Kritik: Tour du Faso (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der neueste Film des Regisseurs und Dokufilmers Wilm Huygen befasst sich mit einem der größten Sportereignisse des afrikanischen Kontinents, das im Westen bisher kaum mediale Beachtung fand: die "Tour de Faso", das afrikanische Pendant zum bedeutendsten Radrennen der Welt, der Tour de France. "Tour du Faso" begleitet drei Amateur-Radrennfahrer, macht deren Motivation und persönliche Ziele deutlich und zeigt auf, das es bei dem Radrennen primär nicht ums Gewinnen, sondern um das Dabei-sein geht. Dies und die Tatsache, dass der Film voller hübscher Impressionen und Szenen von der weitgehend unberührten afrikanischen Landschaft steckt, machen "Tour du Faso" sehenswert.

Die Tour du Faso ist die alljährliche Radrennrundfahrt durch das westafrikanische Land Burkina Faso, die erstmals 1987 stattfand. Für Afrika hat das Rennen eine ähnlich große Bedeutung wie die Tour de France für den europäischen Kontinent. Die über 1200 km, die die Fahrer in zehn Etappen bewältigen müssen, sind berüchtigt für ihre extrem sandigen, hügeligen Wüstenwege, die von den Sportlern enorm viel Durchhaltevermögen und Kraft einfordern. Im Gegensatz zur Tour de France, die von medialem Trubel, technischer Perfektion und viel Geld bestimmt ist, ist die Tour du Faso vielmehr ein Zusammentreffen skurriler Persönlichkeiten und Paradiesvögel, die ihr großes Ziel bereits mit der erfolgreichen Teilnahme an der vor Originalität sprudelnden, nicht kommerziellen Riesenveranstaltung erreicht haben.

Laut Produzent Jonas Katzenstein soll der Film auch als "Parabel über die Beziehung zwischen Europa und Afrika" dienen. In der Tat macht der Film die unterschiedlichen Herangehensweisen und Motivationen der Fahrer aus verschiedenen Ländern deutlich. Während z.B. die Sportler des Teams aus Burkina Faso einfach nur glücklich sind, überhaupt dabei sein und diesem Großereignis beiwohnen zu dürfen, nehmen die deutschen Fahrer das Rennen schon wesentlich ernster und akribischer. Ihnen geht ein bisschen die Gelassenheit und der sympathischen Humor ab, der die afrikanischen Sportler auszeichnet. Aber genau diese kleinen Beobachtungen sind es, die den Unterschied machen zwischen den einzelnen Nationen und deren Kultur. "Tour du Faso" zeigt dabei nicht nur die persönliche Motivation der Radfahrer, sondern fängt auch ihre innersten Sehnsüchte, Gedanken und Erinnerungen ein.

Auch fürs Auge bietet der Film eine ganze Menge: Kameramann Andreas Köhlers Bilder sind eindrucksvoll und voller Pracht. Sie zeigen Szenen, die dem westlichen (Sport-) Publikum bis heute weitestgehend verborgen blieben: Zu sehen sind gequälte, beißende Amateur-Sportler, die oft dem Zusammenbruch nahe sind, wobei die Schön- und Erhabenheit der umliegenden Natur für einen Großteil dieser Qualen sicher wieder entschädigt: Sie passieren endlose Wüstenlandschaften, flache und staubige Savannen und meilenweit reichende Straßen, die von Ziegen, Hühnern und Bauern bevölkert werden.

Fazit: Spannender Einblick in ein für westliche Zuschauer weitgehend unbekanntes sportliches Großereignis mit spektakulären Impressionen der afrikanischen Landschaften.





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