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Das ewige Leben
Das ewige Leben
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Das ewige Leben (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der verkrachte Ex-Polizist und Detektiv Simon Brenner schaffte es in den Filmen "Komm, süßer Tod", "Silentium" und "Der Knochenmann" bereits zu einem gewissen Kultstatus. Das lag nicht nur an den schwarzhumorigen Romanvorlagen von Wolf Haas, sondern auch an dem erfolgreichen Drehbuchteam, zu dem neben Haas der Hauptdarsteller Josef Hader und der Regisseur Wolfgang Murnberger gehörten. Diese bewährte Aufgabenverteilung funktioniert nun auch ein viertes Mal. Über Brenners Österreich ist der Himmel oft verhangen, denn er hat es nicht wirklich zum angesehenen Mitglied der Gesellschaft geschafft. Nun kehrt er arg gebeutelt in seine lange gemiedene Heimatstadt Graz zurück. Dort wird ihm drastisch vor Augen geführt, wie negativ sich jugendliche Torheit auf den Rest des Lebens auswirken kann.
In diesem Krimi fasziniert vor allem die organische, lebendige Mischung aus Milieutristesse, Humor und Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Sie neigen dazu, sich selbst in die Bredouille zu bringen und dann so zu tun, als sei nichts passiert. Brenner wird von in goldenes Licht getauchten Erinnerungen beansprucht, in denen sich Schuld und Unschuld, Euphorie und Tragik unentwirrbar verflochten haben. Dieser Mann hat längst gelernt, ein Fatalist zu sein. Aber er kontert die Erfahrung, dass die Welt schlecht und korrupt und sein Einfluss bescheiden ist, mit einem Schulterzucken. Der Kabarettist Josef Hader spielt den verhärmten Mann zunächst ungewöhnlich ernst, als pure Verkörperung eines Sozialfalls. Aber im Laufe des Films läuft Brenner dank des typischen Hader-Schalks zu unverwüstlicher Vitalität auf.
Der Film ist sogar besser als der Roman, denn er verteilt dessen etwas überkandidelten Sprachhumor wohldosiert auf Wort und Bild. Milieus wie das verkommene Häuschen, in das Brenner einzieht, werden urig ausgemalt, die Situationskomik hat einen sozialkritischen Einschlag. Wenn Brenner den 1967er Hit "When I Was Young" von Eric Burdon & the Animals auf den Plattenspieler legt, erhält seine innere Not einen leidenschaftlichen Ausdruck. Auch als Krimi hat die Geschichte Überzeugendes zu bieten. Aschenbrenner bekriegt sich mit einem ehrgeizigen jungen Kollegen (Christopher Schärf), der sehr realitätsnah gezeichnet, aber dabei sympathisch wie ein Bluthund wirkt. Und Brenner gerät in einem Straßentunnel in eine so authentisch gefilmte Verfolgungsjagd, dass sie auch einem Hollywood-Blockbuster Ehre machen würde. Immer wieder spürt man den Verdruss, der auf diesen Charakteren lastet, obwohl es noch viel schlimmer kommen kann. Großartig!

Fazit: Josef Hader ist wieder einmal eine Schau in der Rolle des österreichischen Detektivs Simon Brenner. Dieser kehrt nach seinem sozialen Absturz in die Heimatstadt Graz zurück, wo ihn die Vergangenheit auf mörderische Weise einholt. Die vierte Verfilmung eines Brenner-Romans von Wolf Haas verknüpft ihre Komponenten Krimi, Milieutristesse und Witz zu einem rundum gelungenen Gesamtkunstwerk.




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