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Jack und das Kuckucksuhrherz
Jack und das Kuckucksuhrherz
© Universum Film

Kritik: Jack und das Kuckucksuhrherz (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie viel Liebe und Aufregung verträgt ein mechanisches Herz, wie viel echtes Leben kann ein Film einfangen? Der versponnene französische Animationsfilm verknüpft eine poetische Liebesgeschichte mit einer Hommage an den Filmpionier Georges Méliès. Mathias Malzieu, der das Drehbuch nach seiner eigenen Erzählung "Die Mechanik des Herzens" verfasste und zusammen mit Stéphane Berla Regie führte, huldigt dem Geist des mechanischen Zeitalters, in dem die Bilder laufen lernten. Jack und die anderen Charaktere des Films umgibt eine entrückte, nostalgische Atmosphäre. Die fantasievolle Geschichte entwickelt einen melancholischen Charme, mit der sie sich von üblichen Familienfilmen deutlich unterscheidet.

Jack ist ein lebender Widerspruch. Ähnlich wie der Film auf der Leinwand in eine fiktive Realität eintauchen lässt, bestehen auch Jacks Träume aus einer Illusion: Ganz echt, wie die anderen Menschen, wird er nie sein. Aber wozu wäre ein Herz gut, das nicht für die Liebe schlägt? Seine Ersatzmutter Madeleine und sein väterlicher Freund Georges Méliès repräsentieren die beiden gegensätzlichen Ansichten, zwischen denen Jack seinen Weg finden muss: Die Hebamme ermahnt ihn zur Vorsicht, der Illusionist plädiert für das Abenteuer. Auch der Film selbst bevorzugt einen kühnen Kurs, denn er lässt seiner überbordenden Fantasie freien Lauf. Die Charaktere taumeln von einem Abenteuer ins Nächste, die ganze Handlung erinnert an den Besuch eines Rummelplatzes, wo die wundersamsten Dinge passieren. Ein solcher Platz nimmt auch eine zentrale Rolle im Film ein. Jack arbeitet als Erschrecker in einer Geisterbahn und lädt Acacia zu einer Fahrt ein: Dieser Trip gerät in 3D zu einem schönen Höhepunkt des visuell ohnehin opulent gestalteten Films. Aber auch schon das Haus der Hebamme ist ein wundersamer Ort: Es liegt verwegen auf einem überhängenden Fels, und im Inneren wohnen ein paar skurrile Gestalten, die die biologischen Gesetze mit Hilfe der technisch versierten Madeleine sprengen konnten. Bahnreisen spielen eine große Rolle: Die Eisenbahn ist neben der Uhr und dem Filmprojektor ein weiterer Gegenstand, dessen Mechanik Bewegung erzeugt. Daran erinnerte auch schon der ähnlich gelagerte "Hugo Cabret" von Martin Scorsese, der auf einem Bahnhof spielte.

Der immer ernst dreinblickende Jack und im Kontrast dazu der unbekümmerte Witz der Dialoge, der sich wie die Fantasie nirgends heimisch niederlässt, geben dem Film eine kühle Note. Obwohl die Geschichte von der Liebe handelt, wirkt sie weniger romantisch, als skurril und morbide. Anstatt ein paar ausgewählte Szenarien atmosphärisch zu verdichten, hüpft der Film von einer Attraktion zur nächsten und verausgabt so auf Dauer seine eigenen Kräfte.

Fazit: Überbordende Fantasie, visuelle Ästhetik und kühle Melancholie prägen diesen ungewöhnlichen Animationsfilm, der dem Filmpionier Georges Méliès mit einer romantischen Geschichte huldigt.




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