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Millionen (2013)

Deutsches Drama: Torsten bekommt von seinen Kollegen ein Lotto-Abo geschenkt - und knackt damit tatsächlich den Jackpot. Aber während alle anderen wissen, was sie mit dem Geld machen würden, ist Torsten mit dem Gewinn völlig überfordert...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Torsten (Andreas Döhler) spielt Lotto, weil das im Büro alle tun. Als er entdeckt, dass er den Jackpot geknackt hat und 22 Milionen bekommt, ist er völlig schockiert. Erst die Freude seiner Frau Susanne (Carola Sigg) ermutigt ihn dazu, sich mit dem unerwarteten Glück ein wenig anzufreunden. Der Mann von der Lotterieverwaltung rät ihnen, Freunden und Bekannten nichts von dem Gewinn zu erzählen. Das Paar aber weiht seine besten Freunde Carsten (Godehard Giese) und Doreen (Annika Ernst) ein und schenkt ihnen sogar eine Million. Der 15-jährige Sohn Lutz (Levin Henning) erzählt seinem besten Freund ebenfalls von dem Gewinn, so dass es auch dessen Vater erfährt. Im Gegensatz zu Susanne, die sich mit dem Geld ihren Traum erfüllt und in Berlin einen Laden für Kindermode eröffnen will, schlittert Torsten in eine tiefe Krise. Der Kauf eines Sportwagens tröstet ihn auch nicht wirklich darüber hinweg, dass ihm der Chef, der ebenfalls Bescheid weiß, kaum mehr Aufträge gibt. Torstens Leben gerät komplett durcheinander.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Das Spielfilmdebüt von Drehbuchautor und Regisseur Fabian Möhrke behandelt einen Lottogewinn nicht als Glücksfall, sondern als Ausgangspunkt für eine Lebenskrise. Das realitätsnahe kleine Drama lotet in alle Richtungen aus, wie die unvorstellbare Summe von 22 Millionen die Beziehungen und die Werte eines Menschen durcheinander bringt.

Welche Belastung ein so hoher Lottogewinn sein kann, macht sich der gewöhnliche Spieler ja normalerweise gar nicht klar. Solange das Geld Fiktion bleibt, kann man ja in aller Unschuld davon träumen, wie es wäre, sich alle Wünsche erfüllen zu können. Aber Torsten trifft die Nachricht seines Treffers wie ein Schlag. Mit philosophischer Tiefe wird gezeigt, wie sehr der Mensch, ohne es sich bewusst zu machen, seine Orientierung im Materiellen findet. Ist man für Nachbarn, Freunde und Kollegen noch derselbe als vielfacher Millionär?

Torsten gerät völlig unvorbereitet in Situationen, die er nicht positiv lösen kann: Soll er dem besten Freund Geld schenken und ihn damit zu Dankbarkeit und Treue verpflichten? Oder soll er nichts geben und sich damit als geizig, als unsozial entlarven? Will er den Job wirklich weitermachen, oder pfeift er lieber auf den täglichen Frust im Büro? Hinzu kommt auch das diffuse, unausgesprochene schlechte Gewissen, das Torsten mit sich herumschleppt. Diesen unverschämten Reichtum hat er ja sozusagen nicht verdient.

Andreas Döhler spielt den Familienvater als bedrückten Menschen, der für seine psychische Krise keine Worte findet. Stattdessen neigt er zu spontanen, exzentrischen Reaktionen und Ausbrüchen. Döhlers Schauspiel ist gerade in der scheinbaren Ruhe sehr intensiv. Torsten gegenüber wirkt seine Frau Susanne geradezu pragmatisch und unbeschwert. Aber weil sie beide so verschiedene Vorstellungen haben, was sie mit dem Geld anstellen wollen, gerät auch die Ehe ins Wanken. Das nimmt stellenweise sogar leicht groteske Züge an. Überhaupt hat die Geschichte auch immer etwas Komisches, gerade weil sich Torsten anstellt, als hätte er eine Krankheit diagnostiziert bekommen.

Zu sehr in den Hintergrund rückt in diesem äußerlich unaufgeregten Szenario das Lebhafte in den Beziehungen, die ja bislang funktioniert haben. Dialoge könnten ja auch Brücken schlagen, aber sie fehlen oder werden auf den Druck reduziert, den der Millionengewinn verursacht. Wegen der Isolation, in die sich Torsten hineinmanövriert, konzentriert sich das Drama etwas zu stark auf die lähmenden Aspekte dieser existenziellen Herausforderung.

Fazit: Wer im Lotto 22 Millionen gewinnt, ist womöglich arm dran: Dieser philosophisch angehauchte und oft authentisch wirkende kleine Film regt zum Nachdenken darüber an, wie sehr die soziale Verankerung und die individuellen Werte vom Materiellen abhängen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2013
Genre: Drama
Länge: 84 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 03.07.2014
Regie: Fabian Möhrke
Darsteller: Andreas Döhler als Torsten, Carola Sigg als Susanne, Levin Henning als Lutz
Verleih: Drop-Out Cinema eG

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