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© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Millionen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt von Drehbuchautor und Regisseur Fabian Möhrke behandelt einen Lottogewinn nicht als Glücksfall, sondern als Ausgangspunkt für eine Lebenskrise. Das realitätsnahe kleine Drama lotet in alle Richtungen aus, wie die unvorstellbare Summe von 22 Millionen die Beziehungen und die Werte eines Menschen durcheinander bringt.

Welche Belastung ein so hoher Lottogewinn sein kann, macht sich der gewöhnliche Spieler ja normalerweise gar nicht klar. Solange das Geld Fiktion bleibt, kann man ja in aller Unschuld davon träumen, wie es wäre, sich alle Wünsche erfüllen zu können. Aber Torsten trifft die Nachricht seines Treffers wie ein Schlag. Mit philosophischer Tiefe wird gezeigt, wie sehr der Mensch, ohne es sich bewusst zu machen, seine Orientierung im Materiellen findet. Ist man für Nachbarn, Freunde und Kollegen noch derselbe als vielfacher Millionär?

Torsten gerät völlig unvorbereitet in Situationen, die er nicht positiv lösen kann: Soll er dem besten Freund Geld schenken und ihn damit zu Dankbarkeit und Treue verpflichten? Oder soll er nichts geben und sich damit als geizig, als unsozial entlarven? Will er den Job wirklich weitermachen, oder pfeift er lieber auf den täglichen Frust im Büro? Hinzu kommt auch das diffuse, unausgesprochene schlechte Gewissen, das Torsten mit sich herumschleppt. Diesen unverschämten Reichtum hat er ja sozusagen nicht verdient.

Andreas Döhler spielt den Familienvater als bedrückten Menschen, der für seine psychische Krise keine Worte findet. Stattdessen neigt er zu spontanen, exzentrischen Reaktionen und Ausbrüchen. Döhlers Schauspiel ist gerade in der scheinbaren Ruhe sehr intensiv. Torsten gegenüber wirkt seine Frau Susanne geradezu pragmatisch und unbeschwert. Aber weil sie beide so verschiedene Vorstellungen haben, was sie mit dem Geld anstellen wollen, gerät auch die Ehe ins Wanken. Das nimmt stellenweise sogar leicht groteske Züge an. Überhaupt hat die Geschichte auch immer etwas Komisches, gerade weil sich Torsten anstellt, als hätte er eine Krankheit diagnostiziert bekommen.

Zu sehr in den Hintergrund rückt in diesem äußerlich unaufgeregten Szenario das Lebhafte in den Beziehungen, die ja bislang funktioniert haben. Dialoge könnten ja auch Brücken schlagen, aber sie fehlen oder werden auf den Druck reduziert, den der Millionengewinn verursacht. Wegen der Isolation, in die sich Torsten hineinmanövriert, konzentriert sich das Drama etwas zu stark auf die lähmenden Aspekte dieser existenziellen Herausforderung.

Fazit: Wer im Lotto 22 Millionen gewinnt, ist womöglich arm dran: Dieser philosophisch angehauchte und oft authentisch wirkende kleine Film regt zum Nachdenken darüber an, wie sehr die soziale Verankerung und die individuellen Werte vom Materiellen abhängen.





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