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N - Der Wahn der Vernunft (2014)

N: The Madness of Reason

Meditative Dokumentation: Peter Krüger wandelt in seinem Film auf den Spuren des belgischen Weltreisenden Raymond Borremans, der sich eine umfassende Enzyklopädie über Afrika zur Lebensaufgabe machte.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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In "N - Der Wahn der Vernunft" geht es um den in Frankreich geborenen, belgisch stämmigen Abenteurer und Forscher Raymond Borremans (1906–1988), dessen große Liebe Zeit seines Lebens Afrika war. Nachdem Borreman nach einer gescheiterten Beziehung Europa verließ, landete er mit 23 Jahren, 1929, auf dem afrikanischen Kontinent - und verbrachte dort schließlich sein komplettes Lebens bis zu seinem Tod Ende der 80er. Er arbeitete als Musiker, Schmetterlingsforscher und mobiler Kinovorführer in Marokko und einigen westafrikanische Staaten, ehe er sich schließlich auf der Elfenbeinküste niederließ. Dort tingelt er jahrelang durch die Dörfer der Savanne und schrieb alles auf, was die Bewohner und Siedler ihm über Flora und Fauna Afrikas sagen konnte. Borremann sammelte das Wissen der Völker und trug es zusammen. Sein Ziel: ein umfassendes Kontinental-Lexikon, eine Enzyklopädie Afrikas. Borremann kam jedoch nur bis zum Buchstaben N, daher auch der ebenso ungewöhnliche wie Interesse weckende Name des Films.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Film zählt zu den berauschendsten und ungewöhnlichsten Dokumentationen der vergangenen Zeit. Da es kaum oder nur wenige Bewegtbilder und Fotos über die Person gibt, die in diesem Film im Mittelpunkt steht, arbeitet Filmemacher Peter Krüger hier viel mit Andeutungen bzw. Anspielungen und überlässt das Knüpfen der Zusammenhängen und Weiterdenken dem Zuschauer. Am Ende bleibt der Porträtierte selbst fremd und wenig greifbar, ähnlich einem Geisterweisen, dass den ganzen Film über Omnipräsent zu sein scheint, ohne sich aber auch nur einmal blicken zu lassen. Am Ende steht eine eine assoziative, alle Sinne ansprechende Doku.

"N" ist eine hoch artifizielle Dokumentation, sehr anspruchsvoll und für Freunde andersartiger, experimenteller Kino- und Filmkunst wie geschaffen. Der Film entsagt einem klaren, strukturierten Aufbau und verzichtet weitestgehend auf die für Dokus üblichen Elemente bzw. Bausteine aus Archivaufnahmen, Zeitzeugen-Interviews und Spielszenen. Vielmehr präsentiert der Film eine Art traumwandlerische Melange aus elegischen Tönen und Bildern. Man sieht atmosphärische Aufnahmen vom wolkenverhangenen Himmel oder auch melancholisch stimmende Szenen von tobender See und aggressivem Wellengang. Allzu viele Infos gibt "N" zudem nicht über den Porträtierten Preis, der scheinbar nur wenige Aufzeichnungen wie etwa Tagebucheinträge hinterließ und hier eher wie ein unsichtbares, schwer greifbares Wesen erscheint, denn als Mensch aus Fleisch und Blut.

Perfekt zum künstlerischen Ansatz des Films passt die einprägsame, bekannte Off-Stimme von Schauspieler Michael Lonsdale ("München"), der ein Gedicht des nigerianischen Schriftstellers Ben Okri rezitiert. Welche Ereignisse der Realität entsprechen und welche nur Andeutung und Spekulation sind, ist am Ende ebenso so unsicher wie die Frage, wie der Film auf die Zuschauer wohl wirken mag. Erfrischend anders und hochspannend ist er aber allein schon wegen seiner ungewöhnlichen Machart allemal.

Fazit: Anspruchsvolle, experimentelle Doku über einen weithin unbekannten Forscher und Globetrotter, der dem afrikanischen Kontinent verfallen war.




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Land: Niederlande, Belgien
Jahr: 2014
Genre: Dokumentation
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 26.03.2015
Regie: Peter Krüger
Darsteller: Hamadoun Kassogué, Wendyam Sawadogo, Vieux Farka Touré
Verleih: Real Fiction

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