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N: The Madness of Reason
N: The Madness of Reason
© Inti Films

Kritik: N - Der Wahn der Vernunft (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Film zählt zu den berauschendsten und ungewöhnlichsten Dokumentationen der vergangenen Zeit. Da es kaum oder nur wenige Bewegtbilder und Fotos über die Person gibt, die in diesem Film im Mittelpunkt steht, arbeitet Filmemacher Peter Krüger hier viel mit Andeutungen bzw. Anspielungen und überlässt das Knüpfen der Zusammenhängen und Weiterdenken dem Zuschauer. Am Ende bleibt der Porträtierte selbst fremd und wenig greifbar, ähnlich einem Geisterweisen, dass den ganzen Film über Omnipräsent zu sein scheint, ohne sich aber auch nur einmal blicken zu lassen. Am Ende steht eine eine assoziative, alle Sinne ansprechende Doku.

"N" ist eine hoch artifizielle Dokumentation, sehr anspruchsvoll und für Freunde andersartiger, experimenteller Kino- und Filmkunst wie geschaffen. Der Film entsagt einem klaren, strukturierten Aufbau und verzichtet weitestgehend auf die für Dokus üblichen Elemente bzw. Bausteine aus Archivaufnahmen, Zeitzeugen-Interviews und Spielszenen. Vielmehr präsentiert der Film eine Art traumwandlerische Melange aus elegischen Tönen und Bildern. Man sieht atmosphärische Aufnahmen vom wolkenverhangenen Himmel oder auch melancholisch stimmende Szenen von tobender See und aggressivem Wellengang. Allzu viele Infos gibt "N" zudem nicht über den Porträtierten Preis, der scheinbar nur wenige Aufzeichnungen wie etwa Tagebucheinträge hinterließ und hier eher wie ein unsichtbares, schwer greifbares Wesen erscheint, denn als Mensch aus Fleisch und Blut.

Perfekt zum künstlerischen Ansatz des Films passt die einprägsame, bekannte Off-Stimme von Schauspieler Michael Lonsdale ("München"), der ein Gedicht des nigerianischen Schriftstellers Ben Okri rezitiert. Welche Ereignisse der Realität entsprechen und welche nur Andeutung und Spekulation sind, ist am Ende ebenso so unsicher wie die Frage, wie der Film auf die Zuschauer wohl wirken mag. Erfrischend anders und hochspannend ist er aber allein schon wegen seiner ungewöhnlichen Machart allemal.

Fazit: Anspruchsvolle, experimentelle Doku über einen weithin unbekannten Forscher und Globetrotter, der dem afrikanischen Kontinent verfallen war.





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