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Charlie und Louise - Das doppelte Lottchen
Charlie und Louise - Das doppelte Lottchen
© EuroVideo

Kritik: Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen (1994)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Charlie & Louise" beruht auf dem berühmten Roman "Das doppelte Lottchen" von Erich Kästner, der Ende der 40er-Jahre erstmals erschien. Bis heute gibt es zahlreiche Verfilmungen des Stoffes. Die Bekanntesten: die Erstverfilmung "Das doppelte Lottchen" von 1950, die US-Version "Ein Zwilling kommt selten allein" (1989) sowie jene, moderne Interpretationen von 1994, die 25 Jahre nach dem ersten Kinostart nochmal in die Lichtspielhäuser kommt. Regie führte Joseph Vilsmaier, dem im Jahr zuvor mit dem Kriegsfilm "Stalingrad" ein großer Erfolg gelang.

Heute ist es kaum mehr vorstellbar, wie revolutionär Kästners Erzählung vor über 70 Jahren war. Ungewöhnlich (und von Kästner sehr mutig) war es, eine Trennungsgeschichte in das Zentrum seiner Story zu rücken. In einer Zeit, in der Scheidungen oder das Auseinanderbrechen einer Beziehungen – gerade wenn Kinder involviert waren – gesellschaftlich geächtete wurden. Noch dazu gab es eine weibliche Hauptfigur, die so gar nicht dem Typus des damaligen, standardisierten Frauenbildes entsprach: eine alleinerziehende Mutter, die noch dazu ihr eigenes Geld verdient und als selbstbewusster, starker Charakter auftritt.

Vilsmaier übertrug all dies in die Jetztzeit (also in die mittleren 90er) und reicherte seine Story entsprechend mit modernen Elementen, Inhalten und frischen Komponenten an. So geht es in "Charlie & Louise" mehr als in irgendeiner anderen Verfilmung des Stoffes vor allem um Themen wie Verlustängste, Trennungsschmerz, das Eingestehen vergangener Fehler und die Frage danach, wie hoch der Preis für einen Neustart ins Ungewisse ist. Insofern ist "Charlie & Louise" tiefgründiger und erwachsener als viele andere Adaptionen. Und leichtfüßiger.

Das liegt nicht zuletzt an der großartigen Besetzung. Vor allem die Eichhorn-Zwillinge erweisen sich in ihrer Spielfreude und dank ihrer Leinwandpräsenz als Idealbesetzung. Und selbst wenn das Ende ziemlich kitschig sowie erwartbar daherkommt und die Inszenierung insgesamt etwas brav ausfällt: Für solide Unterhaltung und nachdenkliche Momente sorgt der Film auch heute noch, über ein Vierteljahrhundert nach der Erstaufführung.

Fazit: Ebenso tiefgründige wie augenzwinkernde Verwechslungskomödie mit guten Darstellern und pointierten Dialogen, die gegen Ende etwas zu sehr auf Nummer sicher.




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