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Heute bin ich Samba
Heute bin ich Samba
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Kritik: Heute bin ich Samba (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Heute bin ich Samba" ist bereits die fünfte gemeinsame Regie-Arbeit der Filmemacher Olivier Nakache und Eric Toledano. Ihr größter Coup gelang ihnen vor knapp drei Jahren mit der tragischen Komödie "Ziemlich beste Freunde", einer der erfolgreichsten europäischen Komödien der Kinogeschichte. Allein in Deutschland wollten den Film fast zehn Millionen Menschen sehen. Diesen Erfolg werden sie mit "Heute bin ich Samba" wohl kaum wiederholen können, obwohl sie mit ihm inhaltlich und inszenatorisch deutlich an den Blockbuster anknüpfen: Erneut geht es um ernste Themen und soziale Missstände, die mit viel Humor und gut aufgelegten Stars transportiert werden.

"Heute bin ich Samba" hat zu weiten Teilen Klasse und ist insgesamt sehenswert, an die Qualität von "Ziemlich beste Freunde" reich der Film aber längst nicht ran. Zu den positiven Aspekten: erneut ist es Omar Sy - privat ein guter Freund des Regie-Duos - der sich mit viel Charme und Ausdruck die Sympathien des Zuschauers erspielt. Erneut spielt er einen farbigen, lebensfrohen und immer zu Scherzen aufgelegten Außenseiter, der um Anerkennung kämpft und gegen gesellschaftliche Vorurteile angehen muss. An seiner Seite steht die Charaktermimin Charlotte Gainsbourg, die nach der expliziten Darstellung einer Sexsüchtigen in von Triers "Nymphomanic" (mal wieder) beweist, dass ihr auch die leisen, ruhigen Töne liegen.

Ihre Figur ist zerbrechlich, labil und doch so stark und steht stellvertretend für viele Menschen in der heutigen, stressigen Arbeitswelt, in der es oft darum geht, zu funktionieren und für eine geringe Entlohnung immer Top-Leistung abzurufen. Schauspielerisch punktet der Film auf ganzer Ebene, ebenso bei der realistischen Darstellung des Alltags vieler illegal in einem europäischen Staat lebenden Einwanderer. Dieser ist nicht selten geprägt von nervigen Behördengängen, undurchsichtiger Bürokratie und unzähligen Verständigungsproblemen. Dies vermittelt der Film auch mit enorm viel Humor. Überhaupt: das Regie-Duo Nakache und Toledano hält zumeist gekonnt die Waage aus Rührung und Witz. Leider jedoch kommt die bemüht wirkende Lovestory zwischen Samba und Alice allzu aufgesetzt, erzwungen daher und der Film versucht zu verkrampft und mit aller Gewalt als Romantic Comedy durchzugehen. Dazu ist der Film mit seinen 120 Minuten Laufzeit nicht nur sehr lang geraten - er kommt einem tatsächlich auch so vor. Und das ist letztlich immer ein schlechtes Zeichen.

Fazit: Gekonnt zwischen Tragik und Witz changierender Film mit überzeugendem Cast, dessen bemühte Love-Story die deutlichste Schwäche darstellt.




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