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When Animals Dream (2014)

Når dyrene drømmer

Dänisches Coming-of-Age-Drama mit Horrorelementen: Marie (16) lebt mit ihrer kranken Mutter und ihrem Vater auf einer kleinen Insel. Plötzlich ereignen sich mysteriöse Todesfälle ...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
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Ein kleiner Ort im Westen von Dänemark. Dort ist die 16-jährige Marie (Sonia Suhl) gerade beim Arzt (Stig Hoffmeyer). Sie hat einige Veränderungen gespürt, die ihr Sorge bereiten. Der Arzt beruhigt sie, bittet sie aber, in einigen Wochen wiederzukommen. Seine Besorgnis ist ihm anzumerken.
Mit ihren Eltern redet Marie nicht darüber. Ihre Mutter (Sonja Richter) sitzt überwiegend teilnahmslos in ihrem Rollstuhl, ihr Vater Thor (Lars Mikkelsen) kümmert sich um sie, lässt aber seine Tochter nicht richtig an sich heran. Instinktiv spürt Marie, dass er etwas vor ihr verbirgt – und zwar mehr als die körperlichen Merkmale der Mutter. Marie scheint in ihrem Zuhause genauso unter Beobachtung zu stehen wie die gesamte Familie in dem Dorf. Sie sind Außenseiter und als Marie einen Job in einer Fischfabrik annimmt, wird sie dort von fast allen argwöhnisch beäugt. Einzig Felix (Mads Riisom) und Daniel (Jakob Oftebro) scheinen nett zu ihr zu sein. Bei den anderen schwelt bereits bei dem Aufnahmeritual, bei dem Marie in einen Kübel mit Fischabfällen gestoßen wird, eine Warnung mit: Entweder du gehörst zu uns oder du landest im Müll.
Sowohl ihr Vater als auch der Arzt wissen, was mit Marie passiert, weigern sich aber, ihr die Wahrheit zu sagen. Wenn Marie dann später mit ihrer Mutter am Meer ist und die unkontrollierte Wucht der Natur spürt, ist zu ahnen, dass es urwüchsige Kräfte sind, die in ihr wallen. Marie spürt sehr früh, dass diese Veränderung sie weiter an den Rand drängen werden, immerhin versucht ihr Vater alles, um ähnliche "Auswüchse" bei der Mutter zu verbergen. Aber im Gegensatz zu ihr will sich Marie nicht damit abfinden, ihr Leben sediert in einem Rollstuhl zu verbringen. Sie ist lebenshungrig und entschlossen, sich ihren Platz im Leben zu erkämpfen. Dabei wird ihr die Entscheidung, wie sie ihr Leben gestalten möchte, von den Menschen in ihrer Umgebung abgenommen: Diese reagieren auf das Unbekannte und Unkontrollierte mit so viel Angst, dass sie sich unweigerlich mit allen Mitteln zur Wehr setzen muss.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

In seinem Spielfilmdebüt "When Animals Dream" erzählt der dänische Regisseur Jonas Alexander Arnby von einer jungen Frau, die allmählich zu einem Werwolf wird. Feinfühlig, subtil und sehr wirkungsvoll schildert der Film Maries Veränderungen, die im Film nicht durch einen Biss oder ähnliches verursacht werden, sondern Marie hat die "Krankheit" von ihrer Mutter geerbt. Dadurch setzt Arnby nicht auf Schockmomente oder romantisiert die Verwandlung wie "Twilight", sondern verleiht der Verwandlung einen realen Hintergrund. Sicher ist der Werwolf als Metapher für das ungestüme Heranwachsen seit "Ginger Snaps" nicht neu, aber Arnby denkt die Konsequenzen dieser Verwandlung ernsthaft zu Ende. Dabei könnte sein Film auch komplett ohne Horror-Elemente auskommen. Arnbys Erzählung von Außenstehenden in einer kleinen, engen Gemeinde in Dänemark würde in Tradition von Carl Theodor Dreyer auch funktionieren, wenn Marie aus anderen Gründen nicht der Norm entsprechen würde. Die Reaktion der Dorfbewohner auf das Andere wäre ähnlich – schließlich beäugten sie bereits ihre Mutter kritisch aufgrund deren Schönheit und machten sie nach einer wehrhaften Tat zum zweiten Mal zu einem Opfer. Abweichungen dürfen in dieser engen Welt nicht existieren.

Mit Sonia Suhl hat Arnby eine großartige Hauptdarstellerin gefunden, die tatsächlich aus Jütland stammt. Anfangs schüchtern und zurückhaltend, entwickelt sie im Lauf des Films eine große Wucht, die die Kräfte, die in ihr walten, hervorragend ausdrücken. Lars Mikkelsen spielt ihren Vater mit einer guten Mischung aus Fürsorge und Bedrohlichkeit, in seiner Situation gibt es kaum einen richtigen Ausweg. Darüber hinaus wird in dem Film wohltuend wenig gesprochen, stattdessen verlässt sich Arnby auf die Bilder von Niels Thastum, den klug eingesetzten Score von Mikkel Hess, der folkloristische Elemente nutzt. Schon die ersten Bilder von "When Animals Dream" künden von dem Grauen, das kommen könnte: verwaschene Farben, auf der Linse scheinen Kleckse zu sein, vielleicht sind es Tropfen, die eine klare Sicht verhindern. Karge Landschaften und das Meer sind zu sehen, ist es eine ungestüme, raue Natur. Diese Welt wird beständig in düstere Farben gefasst, ohne dass die Bilder prätentiös wirken. Das gute Drehbuch von Rasmus Birch und die ruhige Inszenierung lassen dem Zuschauer Zeit, so dass inmitten des Unausgesprochenen der Horror und die Bedrohung entstehen können. Daher ist "When Animals Dream" ein bemerkenswert eigener und guter Film.

Fazit: "When Animals Dream" ist ein hervorragender, großartig fotografierter und gespielter Coming-of-Age-Film mit Horrorelementen, der dank seiner unaufgeregten Inszenierung und guten Story von der ersten bis zur letzten Minute eine packende, bedrohliche und melancholische Stimmung erzeugt.




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Land: Dänemark
Jahr: 2014
Genre: Horror, Mystery, Coming-of-age
Länge: 85 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 21.08.2014
Regie: Jonas Alexander Arnby
Darsteller: Lars Mikkelsen, Jakob Oftebro, Sonja Richter
Verleih: Prokino

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