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Café Olympique (2014)

Au fil d'Ariane

Französisches Drama: Ariane ist eine Frau in mittleren Jahren, die unverhofft von ihrer unscheinbaren Wohung in Marseille zu einem nahen Ort der Träume gelangt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Ein animierter Kameraflug wie aus einer Architekturpräsentation führt durch einen ganz in Weiß gehalten Wohnungskomplex in eine Wohnung hinein. Hier beginnen einzelne Möbelstücke farbig zu werden. Dann wechselt eine knallrote Küchenzeile ins Realbild. Dies ist jetzt die Küche von Ariane (Ariane Ascaride), die gerade alles für ihren eigenen Geburtstag vorbereitet. Allerdings sieht es so aus, als ob niemand kommen würde. Anstatt sich zu grämen, fährt Ariane spontan zu einer Tanzveranstaltung im Marseiller Hafen. Dort nimmt sie ein junger Mann auf seinem Motorrad (Adrien Jolivet) zu seiner speziellen Restaurantempfehlung mit: Hinter gewaltigen industriellen Anlagen versteckt liegt das Café Olympique, eine idyllische Oase der Ruhe. Der Besitzer zahlt dem jungen Motorradfahrer Provision, damit der neue Gäste zu diesem abgelegenen Ort bringt. So kommen ganze Touristenbusse voller Rentner hierher. Zugleich ist das Café Olympique ein Refugium für eine Reihe echter Originale: Da ist der selbst erklärte Schriftsteller Jack (Jacques Boudet), der behauptet Amerikaner zu sein. Oder da ist der ehemalige Wächter eines Naturkundemuseums (Youssouf Djaoro), der jetzt hier als Wächter angestellt ist, obwohl er nicht viel zu bewachen hat. Lola (Lola Naymark), die Freundin des jungen Motorradfahrers arbeitet nebenbei als Hure. Und der verträumte Restaurantbesitzer hört bei der Arbeit auf seinem alten Plattenspieler alte Chansons und klassische Musik.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

"Café Olympique – Ein Geburtstag in Marseille" ist der neueste Film von Robert Guédiguian. Der französische Regisseur ist für realistischen Sozialdramen wie "Der Schnee am Kilimandscharo" bekannt. "Café Olypique" ist hingegen ein charmanter Ausflug in surreale Gefilde. Allerdings tut sich Guédiguian sichtlich schwer, durchgehend den richtigen Ton für seine Geschichte zu finden. In dieser wird die Protagonistin Ariane in eine magische Welt entführt, in der Schildkröten sprechen und Träume Wirklichkeit werden können. In seinen gelungenen Momenten wirkt das fast wie eine bodenständigere Version von "Die fabelhafte Welt der Amelie". Oft wirkt das Ganze jedoch sehr bemüht und manchmal wirkt es auch gar nicht. So ist die künsterlische Herkunft des Regisseurs aus dem humanistischen Sozialdrama für sein neuestes Werk Segen und Fluch zugleich.

Einerseits gelingt es dem Filmemacher auf sympathische Art zu zeigen, dass es die Menschen sind, auf die es ankommt - und nicht auf einen besonders glamourösen Ort. So sind die anfänglichen animierten Architekturbilder von einer glatten, sterilen Perfektion. Das Café Olympique ist hingegen ein schlichtes Ausflugslokal mit Platikdecken auf den Tischen. Seine Lage am Rande eines Marseiller Industriegebietes ist sogar von großer Hässlichkeit. Erst durch den herzlichen Besitzer und durch die skurrilen Originale, die er um sich versammelt hat, wird dieses Restaurant zu einem besonderen Ort. Im Café Olympique darf jeder sein, wie er ist und tun, was ihm gefällt. Das animiert auch Ariane dazu wieder mehr Schwung in ihr Leben hineinzubringen und sogar ihre heimlichen Träume in Angriff zu nehmen. Leider wird diese Botschaft viel zu plakativ präsentiert. Zum Teil gleitet der Film sogar in puren Sozialkitsch ab. Des weiteren pendelt der Regisseur zu unentschlossen zwischen sozialem Realismus und surrealer Traumwelt. Oft blockieren diese Elemente sich gegenseitig, anstatt sich zu ergänzen. Manch ein anvisierter großer Moment gerinnt so zu großem Unsinn. Aber am Ende kann man sich wohlig gewärmt zurücklehnen und zufrieden feststellen: Schön war es ja doch irgendwie...

Fazit: In "Café Olypique" geht "Die fabelhafte Welt der Amelie" eine kuriose Verbindung mit einem sozialkritischem Realismus ein, die recht unterhaltsam, aber trotzdem nicht ganz stimmig ist.




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Land: Frankreich
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 92 Minuten
Kinostart: 25.12.2014
Regie: Robert Guédiguian
Darsteller: Ariane Ascaride als Ariane, Jacques Boudet als Jack, Jean-Pierre Darroussin als Taxifahrer
Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih, Die FILMAgentinnen

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