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Good luck finding yourself
Good luck finding yourself
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: Good luck finding yourself (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Eine Vertreterin der 1968er Generation reist, unheilbar an Krebs erkrankt, zum ersten Mal nach Indien. Sie sucht spirituelle Erleuchtung im Sehnsuchtsland der Hippies, begleitet von ihren langjährigen Freunden Rainer Langhans, Brigitte Streubel und Christa Ritter aus der experimentellen Münchner Lebensgemeinschaft "Der Harem". Jutta Winkelmanns Trip gerät zur vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist und seinem Wandel, mit dem Altwerden, der Fremde und der Kluft zwischen Mythos und Wirklichkeit.

In den indischen Ashrams der Kirpal-Singh-Gemeinde ist vor allem die Abwesenheit des 1974 verstorbenen Meditationslehrers zu spüren. Vielleicht gerade deswegen aber erleben die deutschen Sinnsuchenden auf dieser Reise ganz konkret, wie sehr der Meister mit seinem Spruch recht hatte: "Wir sollten nicht versuchen, unsere Probleme zu lösen, sondern versuchen, uns von den Problemen zu lösen." Für die vier Alt-68er ist der Trip mit seinen vielen Stationen strapaziös. Trotz Rückenproblemen, Erkältung und Schlaflosigkeit haben sie aber wenig Berührungsängste. Sie sitzen im Ashram zwischen indischen Pilgern, wie diese in ausgegebene Decken gehüllt, weil es im Dezember und Januar auch in Indien kalt sein kann. Sie schlendern durch die Ganges-Stadt Varanasi und die Straßen von Allahabad während des Massenfestes Kumbh Mela, oft abgestoßen vom Schmutz in den Straßen. Einmal sagt Jutta Winkelmann einem Jungen, der schwimmende Kerzen verkauft und beim Stichwort Deutschland sofort an Reichtum denkt, dass ihr Geld die Deutschen auch nicht glücklich mache. "Ja, ja", antwortet der Junge höflich. Der Film ist voll von solchen humorvoll beobachteten, aufschlussreichen Begegnungen.

Zum Abenteuer wird auch das Gruppenerlebnis an sich. Jutta Winkelmann hat manchmal den Eindruck, dass es zu wenig um sie geht, dass sich die anderen zu wichtig nehmen. Wiederholt gibt es heftigen Streit und tränenreiche Versöhnung. Rainer Langhans schwankt zwischen stoischer Ruhe – oft hält er die Augen geschlossen – und analytischen Kommentaren, die die jeweilige Adressatin nicht immer befrieden. Auch diese Gruppendynamik ist voller lustiger Szenen. In den Haltungen und Denkweisen kann sich manchmal auch der Zuschauer wiedererkennen.

Jutta Winkelmann muss sich von unhaltbaren Vorstellungen über Heilung und spirituelle Reinigung trennen. Die Freunde können ihr nichts abnehmen, aber sie sind an ihrer Seite, stützen und enttäuschen sie. Der Film profitiert sehr von der Offenheit der Protagonisten. Mit seinem schönen Porträt einer oft strahlenden, lebensbejahenden Frau erklärt ihr der Sohn indirekt auch seine Liebe. Gleichzeitig erfährt man mehr über das Reisen und die innere Einkehr als in vielen fiktionalen Roadmovies.

Fazit: Der Dokumentarfilm, den Severin Winzenburg über die spirituelle Indienreise seiner an Krebs erkrankten Mutter Jutta Winkelmann und ihre Begleiter gedreht hat, überzeugt als pralles, vielschichtiges und sehr humorvolles Roadmovie.




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