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Kritik: Atomic Falafel (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Botschaft dieser quirligen Nahostkonflikt-Satire lautet: Krieg ist von gestern, der internetaffinen Jugend steht der Sinn nämlich nach Freundschaften über die Fronten hinweg. Der israelische Regisseur und Drehbuchautor Dror Shaul macht sich ideenreich über die starre Haltung politischer und militärischer Hardliner lustig. Die unterhaltsame Geschichte stellt den Kriegstreibern lustige Zufälle, störrische Zivilisten, hungrige Soldaten und sogar einen ahnungslosen Hund in den Weg. Der Tonfall neigt stark zum Possenhaften, der einfache Witz ist stärker gefragt als geistreiche Raffinesse.

Die Komödie nimmt den martialischen Ernst und auch das dünkelhafte Benehmen der Militärs gnadenlos in die Mangel. Zum Beispiel wird die Idee mit dem israelischen Nuklearschlag zwar in der geheimen Kommandozentrale unter der Wüste, aber dort als Teil eines Sandkastenspiels ausgeheckt. Das Kind im Manne fährt eben gern zum Spaß kleine Panzer und Raketen auf – dumm nur, wenn es auch echte Waffen zum Einsatz bringen will. Der Film konfrontiert die Militärs voller ironischer Lust sogar mit einem deutschen Inspektor und noch dazu mit einem, der sich so leicht nichts vormachen lässt. Der wahre Grund aber, warum dieser Oliver ein so gutes Gespür für nukleare Waffen hat, ergibt dann in seiner Lachhaftigkeit eine hübsche Pointe. Natürlich ist auch die Tatsache, dass Mimis fahrbarer Falafel-Imbiss in der Handlung kräftig mitmischt, an sich schon immer wieder ein lustiger Dämpfer für das glorreiche Image der Militärs. Und weil wie gesagt kein Mangel an Ideen herrscht, durchkreuzen schließlich drei Jugendliche, Nofar, ihre neue iranische Internetfreundin und ihr Freund, der sich mit Computerwürmern auskennt, das geheime Vorhaben.

Eine in die Tiefe gehende Charakterzeichnung oder Beziehungen, die sich nennenswert weiterentwickeln, darf man hier nicht erwarten. Dafür passiert einfach zu viel und die Handlung strebt leicht überdreht im Zickzackkurs von einem komödiantischen Detail zum nächsten. Die Witze sind von unterschiedlicher Qualität, so dass der Film insgesamt den Eindruck einer Wundertüte macht, deren bunter Inhalt mit schepperndem Geräusch über den Tisch kullert. Am Schluss wird es dann kurz überraschend ernst, wodurch das filmische Plädoyer für den Frieden und gegen das prekäre politische Spiel mit dem Feuer aber nur noch mehr Nachdruck erhält.

Fazit: Die satirische Komödie des israelischen Regisseurs Dror Shaul bezieht mit possenhaftem Witz Stellung gegen militärische Hardliner und martialisches Gehabe im Nahost-Konflikt. Quirliger Einfallsreichtum prägt den absichtlich etwas kopflosen Verlauf der Handlung, deren Reize im Kleinteiligen liegen.




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