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Timbuktu (2014)

Le chagrin des oiseaux

Französisches Drama: Ausländische Dschihadisten besetzen das verträumte Timkutu und führen in dem malisischen Ort ein unerbittliches Terrorregime ein.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.7 / 5

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Timbuktu ist ein Ort in Mali, der kürzlich in die Hände islamischer Fundamentalisten geraten ist. Die ausländischen Dschihadisten, die nicht einmal die Sprache(n) der Einheimischen sprechen, führen eine Vielzahl strenger Regeln ein, die immer absurdere Ausmaße annehmen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen werden verboten. Inmitten der brütenden Hitze sollen die Frauen nicht nur verschleiert herumlaufen, sondern schließlich auch noch Handschueh tragen. Jedweder Verstoß gegen diese neuen Gesetze wird umgehend schwer geandet. Eilig gebildete Tribunale verhängen für Lapalien Strafen, die von Stockhieben bis zum Tod durch Steinigung reichen. Während das öffentliche Leben in Timbuktu bereits zum Erliegen gekommen ist, lebt der Nomade Kidane noch immer weitesgehend friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und dem 12-jährigen Hirtenjungen Issan in den Dünen, vor den Toren der Stadt. Doch eines Tages erschießt der Fischer Amadou Kidanes Lieblingskuh, da diese in des Fischers Netze gelaufen ist. Bei Kidanes anschließendem Versuch einer Klärung kommt es zu einem Unglück, das weiteres Unheil nach sich zieht...

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Am 29. Juli 2012 wurde in einem Ort im nördlichen Mali ein Paar in den Dreißigern, das zwei Kinder hat, von islamischen Fundamentalisten zu Tode gesteinigt, weil es nicht verheiratet war. Bereits der Vorfall an sich ist zutiefst empörend. Hinzu kommt, dass die Medien ihn komplett ignoriert haben. Nur die Dschihadisten selbst haben ein Tötungsvideo ins Netz gestellt. Auf dieses entsetzliche Unrecht aufmerksam zu machen ist die Motivation des selbst aus Mali stammenden Regisseurs Abderrahmane Sissako zu seinem Film "Timbuktu", der auch solch eine schockierende Szene enthält.

Die meiste Zeit über setzt Sissako jedoch auf ruhigere Töne. Er stellt die Schönheit der weiten Wüstenlandschaft und die natürliche Schlichtheit der einfachen Lehmbauten von Timbuktu dem absurden Treiben der ignoranten Besatzer gegenüber. Der Filmemacher verzichtet auf jedewede explizite Kommentare und lässt stattdessen den Zuschauer selbst erleben, mit was für Menschen man es hier zu tun hat. Eine renitente Fischfrau schimpft, weil auch sie plötzliche Stoffhandschuhe tragen soll, was bei der Hitze und bei dem Hantieren mit ihrer glitschiegen Ware natürlich nicht sehr sinnvoll ist. Da das Ballspielen verboten ist, spielt die örtliche Fußballmanschaft nun zum Trotz Pantomime-Fußball - ohne Ball. Ein bekehrter ehemaliger Rapper soll in einem Propagandavideo mitwirken. Da er nicht überzeigend genug wirkt, gibt ihm der zuständige Dschihadist ausführliche Regieanweisungen. Ein anderer Gotteskrieger besucht die Nomadenfamilie bevorzugt, wenn Kidane nicht da ist, um sich an dessen schöne Frau Satima heranzumachen. Ein Kollege kommt zu einer Frau, indem die von ihm Begehrte kurzerhand zwangsverheiratet wird. Wer beim Musizieren erwischt wird, der wird gnadenlos öffentlich ausgepeitscht.

In "Timbuktu" liegen Komik und Tragik stets dicht beeinander. Anstatt zu moralisieren, zeigt Sissako, wie erbärmlich diese bornierten Dschihadisten sind. Trotzdem verteufelt der Filmemacher nicht den Islam. Ganz im Gegenteil besteht ein Teil der Absurdität des Wirkens der Fundamentalisten darin, dass ein gemäßigter Islam längst in Timbuktu etabliert ist. Der örtliche Iman ist die einzige Person, die von den ausländischen Gotteskriegern respektiert wird. Der wirft die bewaffneten Kämpfer als erstes aus der örtlichen Moschee heraus. Anschließend erklärt er ihnen, dass der Dschihad in erster Linie ein Prozess der inneren Reinigung ist, den jeder bei sich durchführen muss. Sie hören dem weisen alten Mann aufmerksam zu. Anschließend wird weiter gemordet.

Fazit: "Timbuktu" gelingt eine so absurde, wie eindringliche Schilderung der Übernahme eines afrikanischen Ortes durch Dschihadisten. Letztere werden nicht dämonisiert, sondern als leicht vertrottelte Ignoranten entzaubert.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Mauretanien
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 11.12.2014
Regie: Abderrahmane Sissako
Darsteller: Pino Desperado, Abel Jafri als Abdelkrim, Toulou Kiki als Satima
Verleih: Arsenal

Awards - Oscar 2015Weitere Infos

  • Bester fremdsprachiger Film

ZusatzinformationAlles anzeigen

TIMBUKTU feierte seine Weltpremiere bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes im Wettbewerb und wurde dort mit dem Preis der Ökumenischen Jury und dem Francois-Chalais-Preis geehrt. Auf dem [...mehr] Filmfestival Jerusalem 2014 gewann der Film den Spirit for Freedom Award als Bester Film. Im Oktober ist er als Abschlussfilm auf dem Hamburger Filmfest zu sehen.

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