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Neuland (2014)

Dokumentarfilm über eine Baseler Integrationsschule für junge Migranten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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Im Klassenzimmer von Christian Zingg kommen junge Menschen aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam zu lernen. Ehnsanullahs Reise nach Basel dauerte ein Jahr und hat dem jungen Mann 20.000 Dollar gekostet. Viel Geld, das er sich in Afghanistan von der Familie und Bekannten leihen musste und bald schon zurückzahlen soll. Die intelligente Nazlije ist zusammen mit ihrem Bruder aus Serbien in die Schweiz gekommen, nachdem ihre Mutter verstorben ist. Und der ruhige Hamidullah redet nicht gern über sein Schicksal und seine Vergangenheit, aber die traurigen Gedichte, die er in sein Schulheft schreibt, sprechen für sich. So unterschiedlich die jungen Leute und ihre Geschichten auch sind, sie alle wollen in der Schweiz ein besseres Leben wagen und Teil der Gesellschaft werden. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Lehrern wie Christian Zingg versuchen die Schüler ihren fordernden Schulalltag zu meistern und müssen nebenbei auch noch ihre ganz eigenen existenzielle Krisen bewältigen.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Ein neues Schuljahr beginnt an einer Baseler Integrationsschule für junge Migranten und die Schüler wirken noch sehr verloren, als sie zum Einstieg von ihrem Klassenlehrer Christian Zingg durch die Räume des Schulgebäudes geführt werden. Stumm sind die jungen Leute wohl nicht nur aus Verlegenheit, sondern auch weil sie zu Beginn des Dokumentarfilms kaum ein Wort Deutsch sprechen können. Im Verlauf der zwei Jahre, die die Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Thommen die Klasse begleitet, soll sich das allerdings bald ändern: Nicht nur der Unterricht wird lebhafter, auch untereinander kommunizieren die Schüler aus der ganzen Welt bald angeregt miteinander, sie erzählen sich ihre Geschichten und verleihen ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen immer selbstbewusster Ausdruck.

Ohne einen Kommentar aus dem Off oder allzu aufdringliche musikalische Untermalung beobachtet "Neuland" voller Neugier und Anteilnahme den schulischen Alltag seiner Protagonisten. Die Zurückhaltung, mit der sich Thommen ihrem Sujet nähert, lässt den jungen Menschen dabei Raum, von sich aus zu erzählen, und genau daraus bezieht der Dokumentarfilm seine große emotionale Kraft. Hier braucht es gar keine nach Rührseligkeiten schielende Dramaturgie oder nach menschlichen Tragödien bohrende Interviews – wenn die Albanerin Nazlije etwa im Rahmen einer Übung zum Thema "Lebenslauf" auf einem Zeitstrahl auf der Tafel notiert, wann in Jugoslawien der Krieg ausgebrochen oder ihre Mutter verstorben ist, hallen diese stillen, authentischen Momente noch lange nach.

Unaufgeregt und nüchtern blickt Thommen mit ihrem Film nicht bloß auf die Fortschritte, die die Schüler machen, sondern auch auf die zahlreichen Rückschläge, die sie hinnehmen müssen. Eine leise Kritik an der Schweizer Gesellschaft und ihrem Umgang mit Migranten lässt sich bei aller Zurückhaltung der Filmemacher dann doch immer wieder ausmachen. Aber auch hier wirkt Thommens Dokumentarfilm umso überzeugender und eindringlicher, je weniger er explizit ausformuliert.

Fazit: Mit großer Zurückhaltung und dennoch voller Neugier und Anteilnahme beobachtet die Filmemacherin Anna Thommen eine Integrationsklasse für junge Migranten. Das unkommentierte Erzählen und Erleben der Protagonisten entwickelt dabei eine große emotionale Kraft und gibt auch Anlass für Gesellschaftskritik.




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Land: Schweiz
Jahr: 2014
Genre: Dokumentation
Länge: 92 Minuten
Kinostart: 23.04.2015
Regie: Anna Thommen
Darsteller: Nazlije Aliji, Andreas Schultheiss, Christian Zingg
Verleih: Filmcoopi, Rise and Shine Films GmbH

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