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Familienfieber (2014)

Tragikomischer Beziehungsfilm: Ein junges Paar möchte seine Eltern miteinander bekannt machen – und löst damit mehr als nur eine Beziehungskrise aus.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Nach 17 Jahren Ehe ist die gemeinsame Beziehung von Uwe und Maja vor allem von Gleichgültigkeit und Routine geprägt: Sie betätigt für ihn die Klospülung, wenn er mal wieder vergessen hat abzuziehen, und sein harscher Umgangston ist schon so alltäglich, dass sie sich gar nicht mehr daran stört. Einzig eine geheime Affäre sorgt in Majas beschaulichem Leben noch für etwas Spannung und Nervenkitzel. Als die heranwachsende Tochter Alina ihre Eltern eines Tages jedoch einlädt, mit ihr zusammen die Familie ihres neuen Freunds Nico kennenzulernen, bricht die heile Fassade des Familienlebens plötzlich und auf unerwartete Weise zusammen: Denn Nicos Vater Stefan entpuppt sich ausgerechnet als Majas Liebhaber. Nachdem die beiden Untreuen zuerst versuchen ihren Seitensprung für sich zu behalten, kann Maja schließlich nicht mehr an sich halten und gesteht ihrem Ehemann und Stefans Gattin Birgit den Betrug. Mitten in diesem emotionalen Chaos haben Alina und Nico allerdings noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen...

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Paaren sowie deren amouröse Verstrickungen gehören natürlich zu den Standardsituationen des Beziehungsfilms, aber dennoch unterscheidet sich Nico Sommers Tragikomödie bereits auf den ersten Blick von typischer Genrekost. Wer Sommers "Silvi" (2013) gesehen hat, wird auch hier die Handschrift des jungen Regisseurs wiedererkennen, der in seinem Werk immer wieder inszenierte Fiktionen mit pseudo-dokumentarischem Material verknüpft. So werden die konventionellen Spielszenen in "Familienfieber" von Aufnahmen ergänzt, in denen die Figuren selbst zur Kamera greifen, um sich gegenseitig zu interviewen. Im Vergleich zu früheren Arbeiten wirkt dieser Ansatz allerdings recht unmotiviert und die Interviews fügen der eigentlichen Handlung und der Figurenzeichnung nichts Wesentliches hinzu.

Als weitaus überzeugender erweist sich hingegen Sommers Vorliebe für Improvisationen. Wie aktuell recht häufig im jungen deutschen Film zu beobachten ist, verzichtet auch"Familienfieber" auf ein ausführliches Drehbuch und gibt den Schauspielern Raum, um spontan zu reagieren. Das Ergebnis ist ein intensives und um Lebensnähe bemühtes Spiel, das vor allem dank einer hervorragenden Besetzung gelingt. Besonders Peter Trabner in der Rolle des Uwe ist hier hervorzuheben, der ähnlich wie schon in Axel Ranischs "Dicke Mädchen" (2012) mit vollem Körpereinsatz spielt und sowohl humorvolle als auch ernsthafte Akzente setzt.

Der gelungenen Improvisation steht in "Familienfieber" Sommers Inszenierung entgegen, die versucht das Material, das die Schauspieler liefern, zu einer mehr oder weniger runden Erzählung zusammenzufügen. Während die einzelnen Szenen für sich genommen durchaus funktionieren, wirkt das große Ganze an vielen Stellen unstimmig. Die abrupten Tonwechsel vom Boulevardesken zur Tragödie sowie das Schwanken zwischen analytischer Distanz und einer vom emotionalisierenden Soundtrack erzeugten Nähe lassen den Eindruck entstehen, der Film könne sich nicht so recht entscheiden, was er denn eigentlich sein will.

Fazit: "Familienfieber" ist ein hervorragend gespieltes Beziehungsdrama, das unter der unentschlossenen Regie leidet.




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Land: Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Komödie
Länge: 78 Minuten
Kinostart: 15.01.2015
Regie: Nico Sommer
Darsteller: Deborah Kaufmann, Mario als Mario Schulte, Jan Amazigh Sid als Nico Ohnsorg
Verleih: Daredo Media GmbH

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