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Familienfieber
Familienfieber
© Süsssauer Filmproduktion

Kritik: Familienfieber (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Paaren sowie deren amouröse Verstrickungen gehören natürlich zu den Standardsituationen des Beziehungsfilms, aber dennoch unterscheidet sich Nico Sommers Tragikomödie bereits auf den ersten Blick von typischer Genrekost. Wer Sommers "Silvi" (2013) gesehen hat, wird auch hier die Handschrift des jungen Regisseurs wiedererkennen, der in seinem Werk immer wieder inszenierte Fiktionen mit pseudo-dokumentarischem Material verknüpft. So werden die konventionellen Spielszenen in "Familienfieber" von Aufnahmen ergänzt, in denen die Figuren selbst zur Kamera greifen, um sich gegenseitig zu interviewen. Im Vergleich zu früheren Arbeiten wirkt dieser Ansatz allerdings recht unmotiviert und die Interviews fügen der eigentlichen Handlung und der Figurenzeichnung nichts Wesentliches hinzu.

Als weitaus überzeugender erweist sich hingegen Sommers Vorliebe für Improvisationen. Wie aktuell recht häufig im jungen deutschen Film zu beobachten ist, verzichtet auch"Familienfieber" auf ein ausführliches Drehbuch und gibt den Schauspielern Raum, um spontan zu reagieren. Das Ergebnis ist ein intensives und um Lebensnähe bemühtes Spiel, das vor allem dank einer hervorragenden Besetzung gelingt. Besonders Peter Trabner in der Rolle des Uwe ist hier hervorzuheben, der ähnlich wie schon in Axel Ranischs "Dicke Mädchen" (2012) mit vollem Körpereinsatz spielt und sowohl humorvolle als auch ernsthafte Akzente setzt.

Der gelungenen Improvisation steht in "Familienfieber" Sommers Inszenierung entgegen, die versucht das Material, das die Schauspieler liefern, zu einer mehr oder weniger runden Erzählung zusammenzufügen. Während die einzelnen Szenen für sich genommen durchaus funktionieren, wirkt das große Ganze an vielen Stellen unstimmig. Die abrupten Tonwechsel vom Boulevardesken zur Tragödie sowie das Schwanken zwischen analytischer Distanz und einer vom emotionalisierenden Soundtrack erzeugten Nähe lassen den Eindruck entstehen, der Film könne sich nicht so recht entscheiden, was er denn eigentlich sein will.

Fazit: "Familienfieber" ist ein hervorragend gespieltes Beziehungsdrama, das unter der unentschlossenen Regie leidet.




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