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Schönefeld Boulevard
Schönefeld Boulevard
© farbfilm verleih

Kritik: Schönefeld Boulevard (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Cindy glaubt, dass es ihr Schicksal ist, Mauerblümchen zu sein. Das humorvolle Coming-of-Age-Drama von Sylke Enders allerdings erzählt eine andere Geschichte, nämlich die von den Chancen, die nur darauf warten, ergriffen zu werden. Die Verwandlung der schüchternen und untergebutterten Jugendlichen in eine fröhliche junge Frau wird betont exemplarisch, aber auch sehr plausibel geschildert. Diese optimistische und zugleich realistische Botschaft an Teenager, die an sich zweifeln, verleiht dem hübschen Film einen besonderen Wert.

Die Vorher-Nachher-Geschichte geht so: Zuerst führt Cindy ihren Hund Gassi, von dem Danny sagt, ihre Eltern hätten ihr absichtlich ein so hässliches Tier geschenkt, damit es von ihr ablenkt. Meistens lächelt Cindy gutmütig über solche Sprüche, denn Danny hält ja zu ihr. Er fühlt sich als ungeliebtes Kind in eine feindliche Welt versetzt und bezieht die dicke Cindy in dieses Szenario mit ein. Sicher hat er recht, denkt sie sich, denn ihr Vater (Uwe Preuss) nennt sie ja immer "Rosinenbomber" und findet, dass sie bei der Lehrstellensuche ihre Vorstellungen etwas herunterschrauben sollte. Aber dann geht sie einen Schritt aus dieser Welt hinaus, ihren Träumen folgend. Das merkwürdige Gespräch mit Leif, der auf so eine Begegnung nicht gefasst war, balanciert auf einem sehr schmalen Grat zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Denn die Art und Weise, wie Cindy die Konversation führt, mag den Träumen vieler Jugendlicher entsprechen, aber sie würden sich im Gegensatz zu ihr wahrscheinlich ein solches Verhalten dann doch nicht zutrauen. Gerade auch dadurch bekommt diese entscheidende Szene eine hohe Aussagekraft und füllt die Geschichte mit Wärme und Licht, denn Leif findet Cindy sympathisch und spricht mit ihr ohne jegliche Geringschätzung. Das ist die neue und wichtige Erfahrung für das Mädchen, dem nun Flügel wachsen.

Von Cindys neuem Selbstbewusstsein wird auch ihre Mutter (Ramona Kunze-Libnow) angesteckt: Es sieht so aus, als würde die ganze Familie aus einer Sackgasse herausfinden, und zwar noch bevor der Großflughafen fertiggestellt ist. Die Stagnation auf der Baustelle dient als symbolisches Bild für Cindys Ausgangslage, für die Kluft zwischen Soll- und Istzustand. Aber jeder Start, jedes Abheben hat auch seine Risiken: Cindys Männerbekanntschaften könnten, wie eine kurze Szene in einer Bar andeutet, auch schiefgehen. Und Danny fliegt offenbar gegen den Wind, denn er wird zurückgeschleudert. Die spannende Geschichte treibt das Spiel mit dem Exemplarischen ein paar Drehungen zu weit, packt zu viel Drama hinein, gerade, was Dannys rätselhaftes Schicksal anbelangt. So ist der Film alles andere als perfekt, aber sein Kernstück mit Cindys positiver Verwandlung gelingt ihm hinreißend und setzt beim Zuschauen gute Schwingungen frei.

Fazit: Das Coming-of-Age-Drama einer fülligen Jugendlichen, die sich aus den Fallstricken ihres geringen Selbstbewusstseins befreit, steckt mit seinem Optimismus und seiner plausiblen Beweisführung des Machbaren an.





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