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Kritik: My Old Lady (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Kinoregiedebüt von Israel Horovitz hat zwei Gesichter – ein lustiges und ein dramatisches. Denn erstens geht es um eine Erbschaft, die einen unerwarteten Haken hat, und zweitens um die unglückliche Kindheit eines Mannes Ende 50. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des Dramaturgen Horovitz und mutet selbst wie eine Bühnenaufführung an. Er spielt zwar an verschiedenen Schauplätzen auch außerhalb geschlossener Räume, konzentriert sich aber ungewöhnlich stark auf seine Charaktere und ihre Dialoge.
Zunächst wirkt der Film wie eine leichte Boulevardkomödie. In flapsigem Ton lotet Mathias die Besonderheiten seiner Erbschaft aus. Er könnte die Immobilie viel lukrativer verkaufen, gäbe es die alte Mathilde nicht. Ungläubig erfährt er von einem Makler, dass Käufer bei einem Vertragsmodell wie diesem darauf spekulieren, dass der betagte Verkäufer und Wohnungsinhaber nicht mehr lange lebt. Denn sie müssen ihm Monat für Monat eine vereinbarte Rente zahlen. Mathias geht sogar zu Mathildes Hausärztin, um sich nach ihrer Gesundheit zu erkundigen. Der Humor balanciert erstaunlich sicher auf diesem schmalen Grat zwischen Zynismus und Geschäftsinteresse. Das zeigt sich vor allem in den Dialogen zwischen dem Erben und der selbstbewussten alten Dame, die ihn allabendlich zum Dinner einlädt. Sie versteht seine Irritation über die Tücken der Erbschaft und er ist beeindruckt von ihrem kultivierten Lebensstil und ihrer beinahe jugendlichen Energie. Kevin Kline und Maggie Smith kreuzen die Klingen mit sichtlichem Vergnügen an den witzigen Wortgefechten.
Wenn die Geschichte dann ernster und tiefgründiger wird und Mathias der Albtraum seiner Kindheit einholt, geht das Duell von Kline und Smith in eine neue Runde. Mathias legt gänzlich unironisch die Wunden seiner Seele frei, während Mathilde auf ihrer Position beharrt, dass sie keine Schuld trifft. Maggie Smith spielt gerade diese souveräne Unbekümmertheit grandios. Kristin Scott Thomas ist eher für die leisen Töne zuständig. Sie komplettiert das Duo sehr schön, indem sie Chloé mit Zurückhaltung und Einfühlsamkeit ausstattet.
In den Straßen von Paris herrscht in diesem Film keine Spur von Großstadthektik. Die Aufnahmen muten vielmehr nostalgisch und verträumt an. Dieses Entrückte beherrscht vor allem auch die Atmosphäre in der großen Wohnung Mathildes, in der eine alte Standuhr mit hellem Ton zur vollen Stunde schlägt. In der musealen Geborgenheit ihrer gediegenen Einrichtung hört Mathilde gerne Jazz-Schallplatten. Mathias fühlt sich an ihrer Seite manchmal ganz schön alt und verzagt. Zuschauer, die gerne ins Theater gehen und sich ganz in das Spiel der Darsteller vertiefen wollen, erwartet ein hübscher kleiner Film.

Fazit: Kevin Kline, Maggie Smith und Kristin Scott Thomas sorgen mit ihrem intensiven Spiel dafür, dass diese teils lustige, teils dramatische Adaption eines Theaterstücks ebenfalls Bühnenatmosphäre bekommt.





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