VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Good things await
Good things await
© Danish Documentary Production

Kritik: Viel Gutes erwartet uns (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die dänische Dokumentarfilmerin Phie Ambo porträtiert einen alten Biobauern, der seinen Hof mit viel Idealismus bewirtschaftet. Beseelt von den Prinzipien des anthroposophisch geprägten biodynamischen Landbaus, betrachtet er den Boden und alles, was auf ihm wächst und gedeiht, als ein Kreislaufsystem. Sogar die Himmelskörper beeinflussen es mit ihren Impulsen. Für den 79-jährigen Niels Stokholm hat jedes Insekt, jeder Singvogel und jeder Regenwurm auf dem Anwesen nicht nur eine Existenzberechtigung, sondern eine Bedeutung für das Gedeihen des Ganzen.

Ambo beobachtet den Bauern beinahe andächtig bei der Arbeit und entdeckt auf dem Hof und im Grünen viele ansprechende Details. Diese präsentiert sie manchmal wie Kostbarkeiten in einer Montage kurzer Szenen: Regentropfen, Kühe auf der Weide, deren Atemluft in der Kälte kondensiert, ein Blümchen im Gras. Hinzu kommen Bilder des Mondes und der Planeten im All. Diese Aneinanderreihung hat didaktischen, auch verklärenden Charakter, überzeugt aber mit ihrer Sinnlichkeit. Man möchte am liebsten auf diesen Wiesen herumlaufen, meint beinahe, ihren Geruch zu spüren. Im Zusammenspiel mit einer sakral anmutenden Chormusik entsteht so ein glühendes Plädoyer für eine Landwirtschaft, die mit der Natur respektvoll umgeht.

Ambo fängt auch die Gespräche des Ehepaars am Küchentisch ein, in denen es um den bevorstehenden Gerichtsprozess geht. Und sie ist dabei, wenn Niels mit Besuchern, Kunden und Unterstützern diskutiert. Obwohl, der alte Mann diskutiert weniger, als dass er erklärt. Widerspruch und abweichende Meinungen sind nicht sein Fall. Ehefrau Rita und andere Vertraute scheinen das bereits verinnerlicht zu haben und vermeiden jede Provokation. Manchmal drängt sich die Befürchtung auf, dass Niels sein ganzes Projekt gefährdet, weil er zu wenig bereit ist, sich an behördliche Auflagen zu halten. Seine Kühe sind zwar keineswegs vernachlässigt, wie die Bio-Kontrolleure meinten. Aber den offiziellen Bestimmungen stellt Niels seine abweichende Überzeugung vielleicht auch deswegen so vehement entgegen, weil es um die Macht und die Handlungsfreiheit auf dem eigenen Anwesen geht. Dieser interessante Konflikt regt zum Nachdenken darüber an, ob es so etwas wie eine ideale Landwirtschaft geben kann, die überhaupt keine Nachteile mit sich bringt, weder für die Umwelt, noch für die Tiere oder die Pflanzen. Und wie verfahren werden soll, wenn konkurrierende Werte in Konflikt geraten.

Fazit: Der Dokumentarfilm über einen dänischen Biobauern gerät zum sinnlichen Plädoyer für eine nachhaltige, achtsame Landwirtschaft. Zur ansprechenden visuellen Gestaltung gesellen sich interessante Einblicke in die Konflikte, in die der Bauer wegen Überzeugungen gerät, die sich nicht mit den gesetzlichen Bestimmungen vertragen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.