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L'Chaim! - Auf das Leben!
L'Chaim! - Auf das Leben!
© mindjazz pictures

Kritik: L'Chaim! - Auf das Leben! (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nachdem er 2009 mit "Mama, L'chaim" bereits einen Kurzfilm über seinen Cousin und dessen Mutter gedreht hat, folgt nun Elkan Spillers Langfilmdebüt, welches sich erneut den beiden charismatischen Protagonisten Chaim und Nechuma Lubelski widmet. Zwischen nüchternen Alltagsbeobachtungen, Interviewpassagen und Einblicken ins private Fotoalbum entspannt sich hier eine Geschichte, die einerseits sehr individuell ist und dabei doch zugleich vom Schicksal vieler jüdischer Familien erzählt.

Dem Titel zum Trotz erweist sich "L'Chaim" dabei nicht als Ode an das Leben, sondern zeigt schwer traumatisierte Menschen, die bis an ihr Lebensende unter den Erfahrungen in deutschen Konzentrationslagern leiden müssen. Selbst in den Kindern der Überlebenden, wie an Chaim ersichtlich wird, wirkt der Schock oft nach und prägt deren Leben entscheidend. Während Chaim in den ersten Einstellungen als recht sorgloser, kiffender Hippie auftritt, der sich wenig um gesellschaftliche Konventionen schert, bekommt dieses Bild bald Risse. Eine Depression plagt den Sohn von ehemaligen KZ-Insassen und seine einzige Motivation scheint die Versorgung seiner Mutter zu sein.

Der trockene Humor und die ausgelassenen Lieder, die Nechuma Lubelski immer wieder anstimmt, können den unvorstellbaren Schmerz und ihre seelische Erschütterung nicht kaschieren oder verdrängen. Mit seinem Dokumentarfilm porträtiert Spiller, selber auch Sohn von Holocaust-Überlebenden, eine bisweilen wütende Unversöhnlichkeit mit der Geschichte, die sich vor allem von deutscher Seite leider nur allzu leicht vergessen lässt.

Abseits seines Themas und der interessanten Protagonisten kann "L'Chaim" jedoch nicht wirklich überzeugen. Dazu ist die Dramaturgie zu chaotisch und wirr, so manchen Szene wirkt zudem redundant. So bleibt es bei einigen gelungen Momentaufnahmen, die sich allerdings nie zu einem stimmigen Filmerlebnis zusammenfügen wollen.

Fazit: "L'Chaim" setzt sich auf bemerkenswert unversöhnliche Weise mit dem Trauma des Holocausts auseinander. Leider kann der Film wegen seiner chaotischen Dramaturgie sowie einigen Redundanzen dabei nur in Momenten überzeugen.





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