VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Verfehlung (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Verfehlung" ist das Regiedebüt von Gerd Schneider, der vor seiner Ausbildung an der Filmakademie Baden-Württemberg selbst kurz davor stand, den Beruf des katholischen Priesters zu ergreifen. Er studierte katholische Theologie und konnte auf diese Weise für seinen Film auf eine Menge Insiderwissen und Kenntnis zurückgreifen, was hinsichtlich der Glaubwürdigkeit und Authentizität der dargestellten Geschichte im Film Gold wert ist. Zumal "Verfehlung" im weitesten Sinne auch auf wahren Begebenheiten beruht, schließlich erschütterten im Sommer 2010 dutzende Missbrauchsfälle an katholischen Einrichtungen, Heimen und Schulen den Klerus in ihren Grundfesten. "Verfehlung" ist ein intensiv gespieltes, äußerst glaubwürdiges und erschütterndes Drama, das der Frage nachgeht, ob die katholische Kirche angemessen auf die Skandale in den eigenen Reihen reagierte.

Dabei geht Regisseur Schneider zu keinem Zeitpunkt mit erhobenem Zeigefinger vor, er nutzt seinen Film nicht, um Anklage zu erheben oder das Verhalten der Kirche im Umgang mit den Fällen anzuprangern. Sehr ruhig und sachlich schildert er die Vorgänge, die allmählich aus dem Ruder laufen. Was mit einem unglaubwürdigen Verdacht beginnt, den Jakob und Oliver anfangs noch schnell als eindeutige Falschbeschuldigung einordnen, entwickelt sich nach und nach zum Selbstläufer. Und je weiter die Ereignisse voranschreiten und sich die Schnur um den Hals von Dominik immer enger schnürt, desto mehr verliert Jakob - brillant verkörpert von Sebastian Blomberg - den Glauben an sich und an die Menschen.

Das Spiel des Freunde-Trios ist stark und zu jedem Zeitpunkt absolut glaubwürdig. Dies lässt sich insgesamt auch über den Film sagen, der einen äußerst realistischen Einblick in den Berufsalltag eines Seelsorgers und katholischen Priesters gewährt. Alles - vom Vorbereiten des Gottesdienstes über dessen Abhaltung bis hin zur Ausstattung und verwendeten Sprache - profitiert vom Wissen und Verständnis des Debütregisseurs Schneider für die Materie. Für verstörende Momente sorgen zudem immer wieder auch die intensiven Szenen und Augenblicke, die die Freunde beim Murmeln von Bibelzitaten zeigen. Dadurch werden deren Verzweiflung und Hilflosigkeit nachhaltig deutlich sowie der Wunsch nach Beistand von Oben zwecks befriedigender Aufklärung der ganzen dramatischen Vorfälle.

Fazit: Entwaffnend gut gespieltes, eindringliches Drama über den Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsskandalen in den eigenen Reihen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.