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TV-Tips für Freitag (2.9.): Sebastian Blomberg bekommt Zweifel

Arte zeigt "Verfehlung"

Da neigt sich das Sommerprogramm dem Ende entgegen, und just lässt das Spielfilmprogramm antizyklisch nach. Am Freitagabend können daher sogar statt wie sonst drei nur zwei Filme empfohlen werden. Immerhin ist darunter der exzellente deutsche Vertreter "Verfehlung", der letztes Jahr in die Kinos gekommen ist.

"Verfehlung", Arte, 20:15 Uhr

Das Leben und der Glauben eines katholischen Gefängnispfarrers (Sebastian Blomberg) wird erschüttert, als sein Freund und Kollege (Kai Schumann) unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs festgenommen wird.

Dass hier jemand wusste, worüber er filmte, nimmt man diesem deutschen Drama in jeder Minute ab. Regisseur und Drehbuchautor Gert Schneider hatte zunächst Katholische Theologie studiert, mehrere Praktika in der Seelsorge absolviert, darunter in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf. Nach dem Studienabschluss wurde er dann allerdings nicht Priester, sondern begann ein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Selten hat man ein so überzeugendes Regiedebut gesehen, das sogar im Ausland Anerkennung fand: Beim diesjährigen Santa Barbara Filmfestival gewann die Penrose-Produktion von 2015 den Publikumspreis und in diesem Jahr den Preis der Deutschen Filmkritik für das "Beste Regiedebut".

Ohne Klischees, mit leisen Tönen, aber großer Spannung, intensiven Dialogen und phantastischen Darstellern inszenierte Schneider brillant mit großer emotionaler Glaubwürdigkeit. Der 40-Jährige zeigte sich visuell und inszenatorisch ambitioniert und schafft es, das sehr schwierige Thema des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche differenziert aufzufächern und die Opfer und deren Angehörigen nicht außen vor zu lassen.

Kritiker Peter Claus schrieb: "Der Film attackiert weder den Glauben noch die Kirche an sich. Ihm geht es um die Frage, wie weit das eigene Gewissen belastbar ist, wann ein Mensch über den eigenen Schatten springen muss, welche Anstrengung das kostet. Darüber denkt Gerd Schneider in einem streng komponierten Spielfilm nach."



"Der Diktator", Pro7, 22:00 Uhr
Die heroische Geschichte eines Diktators (Sacha Baron Cohen), der sein Leben riskierte, um sicher zu stellen, dass die Demokratie nie in seinem Land, das er so liebevoll unterdrückte, Fuß fassen würde.

Nach dem erfolgreichen "Borat" und dem weniger erfolgreichen "Brüno", die beide als Mockumentarys inszeniert worden waren, wagten sich Regisseur Larry Charles und der englische Drehbuchautor und Hauptdarsteller Sacha Baron Cohen an eine konsistente Spielfilmhandlung, mit der sie alle möglichen Diktatoren und die internationale Diplomatie veralberten.

Für 65 Millionen Dollar drehte Charles die Paramount-Produktion in Sevilla, auf Fuerteventura und in New York City. Für die weibliche Hauptrolle, die Anna Faris spielt, war auch Kristen Wiig im Gespräch gewesen.

Der Streifen, der 2012 mit weltweit 179 Millionen Dollar ein solider Erfolg an den Kassen wurde, spaltete die Kritiker. Auf der einen Seite ist der äußerst uneinheitliche Film erfrischend durchgehend provozierend und sicherlich ein annehmbarer Vetreter der politischen Slapstick-Komödie. Aber neben den treffenden satirischen Spitzen gibt es auch viel derben, kindischen Fäkalhumor.

Für Tadschikistan, Turkmenistan, Weißrussland und Kasachstan war es ein bisschen viel: In diesen Ländern wurde "The Dictator" verboten.

Kritiker Jim Schembri meinte: "Während der Film seinen Anteil an Ekelmomenten hat, ist das wohl Schockierendste, dass das Ganze eigentlich eine passable Handlung und sympathische Figuren bietet."



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