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Ein Junge namens Titli
Ein Junge namens Titli
© Rapid Eye Movies

Kritik: Ein Junge namens Titli (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Kanu Behls erster Spielfilm (nach mehreren Dokumentationen) macht es dem Zuschauer nicht einfach. "Ein Junge namens Titli" stellt sich zwischen alle Stühle. Der Film ist eine Mischung aus Drama und aus Film noir, aus Arthouse und aus Genrefilm, aus fast dokumentarischen nüchternen und bedrückenden Bildern und aus einzelnen traumartig stilisierten Sequenzen voller Poesie.

Ob diese Mischung auf den Betrachter unausgegoren oder originell wirkt, hängt zu großen Teilen mit der Frage zusammen, wieweit man mit einem Hauptdarsteller mitfiebern kann, der sich zusehends selbst zu einem abgebrühten Ekel entwickelt. "Titli" heißt auf Deutsch Schmetterling. Den Namen hat der Protagonist bekommen, da sich seine Mutter eigentlich eine Tochter gewünscht hatte. Laut seinem Vater kommt Titli von allen Söhnen am meisten nach der Mutter, da er der härteste Klotz von allen sei. - Aber der Vater sagt so einiges, wenn er sich davon einen momentanen Vorteil erhofft...

"Ein Junge namens Titli" zeichnet ein deprimierendes Bild der indischen Gesellschaft. Die einzige Person im Film, die nicht innerlich verroht ist und komplett egoistisch handelt, ist Neelu. Deshalb muss sie ganz besonders hart einstecken in einem Umfeld, in dem selbst sanfte Schmetterlinge zu geifernden Bestien mutieren. Die Frage, ob in so einer Hölle auf Erden überhaupt noch Hoffnung möglich ist, wird in "Titli" auf eine alle Genrekonventionen verneinende Weise beantwortet. Ein mutiger, sehenswerter Film.

Fazit: Das Neo-Noir-Drama "Ein Junge namens Titli" macht es dem Zuschauer nicht einfach, da der Film sich zwischen alle Stühle setzt und zudem einen eher unsympathischen Hautdarsteller hat. Wer sich trotzdem auf den unbequemen Film einlassen kann, dem erschließt sich nach und nach eine ganz eigene Kinomagie.





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