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Der Sommer der fliegenden Fische
Der Sommer der fliegenden Fische
© Cinémadefacto

Kritik: Der Sommer der fliegenden Fische (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Der Sommer der fliegenden Fische" ist der neue Film der 42-jährigen chilenischen Regisseurin Marcela Said, die sich in ihrer Karriere bisher auf Dokumentarfilme spezialisierte. Mit "Der Sommer der fliegenden Fische" inszenierte sie ihren ersten Spielfilm, der seine Premiere 2013 in Cannes erlebte. Die chilenisch-französische Ko-Produktion konnte einige Filmpreise gewinnen, so z.B. den Preis als bestes Erstlingswerk beim Havanna Filmfest 2013. Mit dem Film gelingt ihr eine solide, mit elegischen Naturbildern versehene Mixtur aus Familiendrama und Liebesfilm, der auf metaphorische Art und Weise in erster Linie auf die Lebenssituation der indigenen Völker Südamerikas aufmerksam machen will. "Der Sommer der fliegenden Fische" ist sehenswertes Gefühlskino, auch wenn einige Figuren unnahbar bleiben und man sich als Zuschauer mehr Infos über das behandelte indigene Volk gewünscht hätte.

Fans bildgewaltiger Liebesdramen wie etwa "Der englische Patient" oder "Jenseits von Afrika" werden sicher ihre Freude an Marcela Saids erstem Spielfilm haben. Zwar ist "Der Sommer der fliegenden Fische" nur halb so lang wie diese beiden Klassiker des emotionalen Kino, dennoch wird hier Saids Liebe und Hang zu schwelgerischen, melancholischen Natur- und Landschaftaufnahmen deutlich, wie man es bereits aus ihren Dokus kennt. Die beeindruckende chilenische Natur liefert den perfekten Hintergrund für das Gefühlschaos der Protagonisten im Film. Sie steht quasi metaphorisch für die seelische Zerrissenheit der Figuren. Ebenso stellvertretend stehen die Fische von Pancho, die er unbedingt loswerden will, für die Vertreibung und Ausrottung der indigenen Kulturen und Bevölkerungsgruppen Südamerikas.

Insofern kann man "Die Sommer der fliegenden Fische" durchaus als metaphorisches Drama ansehen. Leider jedoch fällt es mitunter schwer, sich in einige der Figuren hineinzuversetzen bzw. bleiben einige ihrer Taten und Sichtweisen seltsam schleierhaft. Das betrifft in erster Linie die Mutter von Manena, die als Figur ebenso blass bleibt wie Pedro, der Mapuche-Junge. Zudem hätte man sich als Zuschauer mehr Infos und durch die Dialoge vermitteltes Hintergrundwissen speziell über das Volk der Mapuche gewünscht, die im Film eine tragende Rolle spielen. An dieser Stelle setzt der Film zu viel Kenntnis beim Zuschauer voraus.

Fazit: Metaphorisches, mit starken Landschaftsaufnahmen ausgestattetes Drama in der Tradition von "Jenseits von Afrika", das vom Zuschauer jedoch zu viel Hintergrundwissen über Südamerikas indigene Kulturen voraussetzt.




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