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Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe
Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe
© Movienet

Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe (2013)

Experimentelle Doku - filmische Collage, die Dokumentarisches, Fiktionales und Kommentare des Filmemachers zu einem Essay über die Zeit verknüpftKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Der Filmemacher Philipp Hartmann, ein Mann in der Mitte seines Lebens, leidet an Chronophobie, der Angst vor dem Vergehen der Zeit. Um sich seiner großen Furcht zu stellen und das erbarmungslose Voranschreiten der Zeit zu bremsen, begibt sich der Regisseur und Drehbuchautor mit seinem Essayfilm auf eine sehr persönliche Reise durch Zeit und Raum: Er schwelgt im Anblick von alten Fotografien in der Vergangenheit, erkundet zeitlose Salzwüsten in Südamerika, führt mit seinen Freunden betrunkene Diskussionen über Einstein und besteigt schließlich sogar eine Zeitmaschine. Zwischen Buenos Aires und Deutschland, Kindheitserinnerungen und Kontemplationen über die Zukunft, Begegnungen mit alten Bekannten und völlig Fremden entdeckt Hartmann so immer neue Facetten der Zeit, die mal zyklisch und mal linear abzulaufen scheint, die mal vorbeirauscht, mal teilnahmslos vorübergeht und dann ganz unverhofft stehenbleibt.

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Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Cinema is a sit-in against death", lautet ein Aphorismus, der das Wesen des Kinos trifft, zumindest da, wo es existenzielle Fragen nach Erinnerung und Vergänglichkeit aufwirft – und gewiss auch so manche Antwort bereithält. Dass der Filmemacher Philipp Hartmann seine Chronophobie, die sich als Lebenskrise und zugleich als Sinnsuche verstehen lässt, also ausgerechnet zu einem Kinofilm verdichtet, ist vor diesem Hintergrund nur allzu verständlich. In "Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe" wird das furchterregende Voranschreiten der Zeit sowie das ohnmächtige Erwarten des Todes zwar nicht aufgehoben, aber Hartmann gelingt es auf eindrückliche Weise, das Phänomen Zeit als ebenso sinnlich wie sinnhaft zu erfassen.

Auf den Spuren von Essayfilmen wie Chris Markers "Sans Soleil" (1983) oder Coco Schrijbers "Bloody Mondays & Strawberry Pies" (2008) wirft Hartmann aus einer entschieden subjektiven Perspektive einen Blick auf etwas weit Größeres und Abstrakteres als bloß das eigene Leben. Durch seinen Kommentar aus dem Off zusammengehalten präsentiert der Regisseur ein reiches Angebot an Impressionen, Ideen und Erinnerungen. Dokumentarisches und Spielszenen verschränken sich zu einem meditativen und reizvollen Bilderstrom, dessen Verlauf einerseits durch Hartmanns persönliche Assoziationen bestimmt wird und der gleichzeitig dem Publikum Raum für eigene Gedanken lässt.

Während die unkonventionelle Dramaturgie zu Beginn noch befürchten lässt, dass sie den Film mit ihrer Sprunghaftigkeit zerreißen wird, so stellt sich beim Anschauen von "Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe" nach und nach das Gefühl eines unwiderstehlichen Sogs ein. Die einzelnen Szenen und Sequenzen bereichern und verdichten sich gegenseitig zu einem Erlebnis, das bei aller Offenheit doch nie beliebig wird. Zwischen ernsthafter Nachdenklichkeit und verspieltem Humor entfaltet sich so ein ebenso inspirierender wie unterhaltsamer Kinofilm.

Fazit: Philipp Hartmanns nachdenklicher und humorvoller Essayfilm bietet ein reiches Angebot an inspirierenden Einfällen und Impressionen. Die assoziative Montage wird dabei durch Hartmanns subjektiven Kommentar zusammengehalten und lässt zugleich Raum für eigene Gedanken.




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Land: Deutschland
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation, Experimentalfilm
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 09.10.2014
Regie: Philipp Hartmann, Jan Eichberg
Darsteller: Philipp Hartmann als Er selbst, Jan Eichberg als Erzähler (inszenierte Miniaturen), Andreas Bauch als Er selbst
Verleih: Flumenfilm

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