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Kritik: Axel, der Held (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Hendrik Hölzemann ("Kammerflimmern") hat ein schalkhaftes Märchen für Erwachsene inszeniert, das sich in ständigem Konflikt mit der widrigen Realität des Titelcharakters befindet. Der junge Axel steht ganz unten in der Hierarchie seines Dorfs, in dem alle Bewohner Schulden bei Manne haben. In seiner Fantasie befreit sich Axel aus seiner Knechtschaft und die schöne Jenny, die sich Manne zur Frau genommen hat, gleich mit. In Axels Spiel mit seinen Modellfiguren und bei seinen Begegnungen mit dem schrulligen, selbst ernannten Indianerhäuptling von nebenan reift der Keim einer Rebellion heran. Mit seinem Wechsel zwischen Realitäts- und Fantasieebene, der Komik und der märchenhaft verbrämten Kapitalismuskritik bietet der Film liebenswert skurrile Unterhaltung.

Am Anfang führt eine Erzählerstimme in die Welt von Axels Spielfiguren ein. Dann wechselt das Geschehen auf die Ebene eines Realfilms, in dem allmählich klar wird, dass Axel eine Art Doppelleben führt. Draußen ist er gehemmt, wird von allen herumgeschubst. Als Regisseur seines Modellbau-Dorftheaters verarbeitet er das Erlebte und gibt ihm eine andere Färbung. Auch in seinen Tagträumen schwingt sich Axel zum tollkühnen Helden, zum Agenten, zu ungeahnter Größe auf. Diese Doppelstruktur des Film erinnert an "Willkommen in Marwen", in dem Steve Carell einen traumatisierten Mann spielte, der sich mit einer Miniaturwelt und ihren fantasierten Charakteren selbst therapierte. Axels Abenteuer besitzen keine vergleichbare tragische Tiefe, sondern sind luftiger, flüchtiger und zugleich auch ein wenig theaterhaft.

Johannes Kienast spielt Axel als schüchternen, ernsten jungen Mann, der sich schämt, wenn er wieder einmal ängstlich einknickt. Der böse Manne ist aber auch furchteinflößend, als Krimineller, der vor blutiger Gewalt nicht zurückschreckt. Mit dieser Figur rückt der Film zugleich in die Nähe eines Western. Dazu passt auch der vielleicht interessanteste Charakter, Axels alter Nachbar Heiner, der sich als Winnetou ausgibt, seinen Karl May auswendig kennt und außerdem die Flugbahn von Objekten vor seinem geistigen Auge genau vorhersehen kann. Es fehlt also nicht an kreativen Einfällen, die auch Axels Tagträume und die Gestaltungsebene prägen. Es hätte allerdings nicht jede kleine Fantasieszene und skurrile Zutat gebraucht, denn in der bunten Fülle droht sich die Handlung manchmal zu verzetteln.

Fazit: Unter der Regie von Hendrik Hölzemann entwickelt diese humorvolle, zwischen Märchen, Western und deutscher Provinztristesse wechselnde Emanzipationsgeschichte versponnenen Charme. Ein junger Mann, der in einem von einem Hühnerbaron und Casinobesitzer beherrschten Dorf nichts zu melden hat, begehrt in seinen Fantasien und dem Spiel mit Miniaturfiguren auf. Sein ebenfalls verspielter, für Karl Mays Indianerkosmos schwärmender alter Nachbar stärkt ihm den Rücken. Der kreative Einfallsreichtum dieses Abenteuers ist beeindruckend und sorgt für locker-leichte Unterhaltung.




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