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Autumn Blood
Autumn Blood
© Arc Entertainment

Kritik: Autumn Blood (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des österreichischen Regisseurs Markus Blunder ist ein wuchtiger Thriller, in dem böse Dorfbewohner Jagd auf zwei verwaiste Geschwister machen. Das von Blunder und Stephen T. Barton verfasste Drehbuch hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Alpenwestern "Das finstere Tal", denn auch hier geht es um die wortkarg erzählte Geschichte eines Verbrechens in einem beschaulichen Dorf. Die Charaktere haben keine Namen, als handelte es sich um ein Märchen oder eben einen Western, der auf eine blutige Endabrechnung zusteuert. Der Drehort Tirol und die Almhütte, in der das Mädchen und der Junge hausen, rufen Assoziationen an idyllische Heimatfilme wach, die aber kompromisslos demontiert werden. "Autumn Blood" verknüpft romantische Naturaufnahmen mit Szenen schockierender Gewalt.

Die Filmsprache ist Englisch, doch gesprochen wird schätzungsweise nur alle zehn oder 15 Minuten ein Satz. Das Lebensgefühl der Geschwister zwischen Trauer, Einsamkeit und Nähe zur Natur teilt sich gerade darin mit, dass sie über Blicke und hauptsächlich mit ihren eigenen Gedanken komunizieren. Sie wachsen abgeschnitten von der Gesellschaft auf, die ihnen den Vater nahm. Dass der Bürgermeister erst die Mutter und dann die junge Tochter im Visier hat, wird eher angedeutet, als restlos ausformuliert, zum Beispiel taucht öfter ein ominöses Geschenk mit einer Schleife auf.

Das Mädchen wird als Inbegriff der schönen Jungfrau inszeniert, die ihr langes Haar offen trägt und barfuß in einem luftigen Sommerkleidchen über die Wiesen läuft. Die Wälder, der Weiher und der Bach sind ihr Revier, hier kann sie nackt in der Sonne liegen und träumen. Mit dieser selbstverständlichen Geborgenheit in der Natur, im Leben ist dann jäh Schluss, als der junge Mann sie brutal vergewaltigt und danach zur Warnung mit dem Gewehr in die Luft schießt.

Sophie Lowe spielt die panische Angst des Mädchens und ihr Ringen ums geistige Überleben mit unglaublicher Intensität. In dem Inferno, das über die beiden Geschwister hereinbricht, sind sie sich gegenseitig eine große Stütze. Die Beziehung spiegelt sich berührend in den tastenden, interpretierenden Blicken des Jungen. Die finale Verfolgungsjagd in den Wäldern ist eines Actionthrillers würdig. Das Mädchen hat dabei wieder ihr Sommerkleid an oder ist sogar nackt: Hier kann es sich die Kamera nicht verkneifen, die junge Frau selbst als Beute zu betrachten. Trotz dieses späten Wermutstropfens überzeugt aber gerade, dass der Film eher der weiblichen Perspektive folgt und mit unbestechlichem Realismus eine dieser unzähligen Geschichten ausformuliert, über die die Heimatchroniken lieber schweigen.

Fazit: Der österreichische Regisseur Markus Blunder hat einen wuchtigen Thriller im Gewand eines Heimatfilms inszeniert. Die Jagd männlicher Dorfbewohner auf eine junge Frau prägt sich mit ihrer kruden Intensität ins Gedächtnis ein, so dass die Vorstellung vom idyllischen Leben in den Bergen nachhaltig getrübt wird.





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