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Dark Star: Hr Gigers Welt
Dark Star: Hr Gigers Welt
© Thimfilm GmbH

Kritik: Dark Star - HR Gigers Welt Dark (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ich war ja nie so tipptopp ordentlich" sagt Giger mit einem müden Lächeln. Ihn ärgert, dass sein Manager seinen Keller so sehr aufgeräumt hat, dass er ihn nicht mehr wiedererkennt. Beides glaubt man sofort, denn das Innere von Gigers Haus gleicht einem Labyrinth - so unübersichtlich erscheinen die zahllosen Berge und Wände aus Zeitschriften, Büchern und anderen Gesammelten. Selbst die Badewanne ist bereits seit Jahrzehnten entsprechend zweckentfremdet. Das Gebäude ist umgeben von einem wild wuchernden Garten, in dem zahlreiche geheimnisvoll-bedrohliche Giger-Skulpturen stehen. Auf Videos ist zu sehen, wie der Meister auf einer selbst entworfenen Bahn durch Haus und Garten fährt: HR Giger hat sich hier seine eigene Geisterbahn gebaut. Nur einmal versucht er abzubremsen, als seine Katze "Mucki" auf den Schienen steht. Überhaupt ist Hansruedi ungemein empfindsam, wie seine zweite Frau Carmen Maria Scheifele Giger versichert.

Der Erzählfluss der Dokumentation ist ähnlich bedächtig, wie HR Giger, wie er hier in seinem letzten Lebensabschnitt erscheint. Während der Künstler auf alten Fotos zumeist fast wie ein Rockstar aussieht, gleicht er mit über 70 Jahren eher dem späten Marlon Brando: Giger ist sichtlich übergewichtig und hat große Mühe sich zu bewegen. Er redet sehr langsam mit leiser Stimme und guckt dabei oftmals so traurig in die Kamera, als ob er gleich in Tränen ausbrechen würde. Mit der Zeit offenbart sich, dass er tatsächlich sehr sensibel ist und einen sehr feinen Humor besitzt. Die Tatsache, dass er mit vielen Personen schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet und befreundet ist, spricht ebenfalls für sich. Der Künstler und der Sänger Thomas Gabriel Fischer kennen sich seit 1985. Damals hat Giger für Fischers Metal Band Celtic Frost das Cover entworfen, heute ist Fischer Gigers Assistent. Giger sagt dazu: "Wir brauchen uns wohl beide gleich sehr."

"Dark Star - HR Gigers Welt" unternimmt den Versucht zu verstehen, wie ausgerechnet ein Apothekersohn in der wohlgeordneten Schweiz zum Erschaffer morbider Monstrositäten in Form von erotisch-lethalen Beo-Mechanik-Organismen mutieren konnte. Tatsächlich wirkt Giger in seinem näheren Umfeld selbst fast wie ein Alien. Wenn sich die Kamera von oben dem Wohnsitz des Künstlers in Zürich-Oerlikon nähert, gleitet diese an sterilen Bürohäusern vorbei, bis sie sich auf ein in einem verwilderten Garten befindliches Hexenhaus herunterschwenkt. Als Giger hingegen das Alpenhäuschen bei Chur besucht, in dem er während seiner Kindheit sämtliche Schulferien verbracht hatte, präsentiert sich ein Schweizer Postkartenidyll, bei dem man meint, dass gleich Heidi über die Wiese tollen könnte. Es wirkt nur zu passend, dass Gigers ausgerechnet an diesem Ort ins Grübeln gerät und meint, dass er sich trotz all seiner (inneren) Freiheit noch immer überlege, was seine mittlerweile verstorbenen Eltern wohl von seinen Werken halten mögen.

Fazit: "Dark Star - HR Gigers Welt" ist eine sensible Dokumentation, die sich dem Künstler am Ende seines Lebens auf sehr bedächtige Weise nähert und Giger als einen so feinfühligen, wie kompromisslosen Exzentriker offenbart.




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