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Selfless - Der Fremde in mir
Selfless - Der Fremde in mir
© Concorde

Kritik: Selfless - Der Fremde in mir (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit Geschichten, die Techniken um die Erschaffung oder die Manipulation menschlichen Bewusstseins thematisieren lassen sich spannende und tiefsinnige Science-Fiction-Filme machen. Das jüngste Beispiel ist der meisterliche "Ex-Machina" um eine künstliche Intelligenz. Der Film zeigt, was man mit einer interessanten Thematik und einem wirklich intelligenten Drehbuch aus solch einem kammerspielartigen Psychodrama machen kann. Auch die Grundidee zu Tarsem Singhs Sci-Fi-Thriller "Selfless - Der Fremde in mir" liest sich interessant. Allerdings hapert es stark an der Umsetzung des potentiell vielschichtigen Themas. Das Drehbuch von Àlex und David Pastor lässt den Film nach einem recht vielversprechenden Anfang schnell zu einem stumpfen Action-Thriller verflachen. Die Inszenierung von Tarsem Singh ("The Cell", 2000) macht die Angelegenheit leider ebenfalls nicht besser. Mit ähnlichen Stilmitteln, die in anderen Filmen des selben Regisseurs sehr virtuos wirken, sorgt Singh in "Selfless" eher für Stirnrunzeln.

Der Inder wurde gleich mit seinem ersten Kinofilm - dem Psychothriller "The Cell" - auf einen Schlag gekannt. Bereits in diesem Debüt war es weniger das Drehbuch, das überzeugte, als der große visuelle Stilwille und der überbordende Einfallsreichtum des Regisseurs. Die äußere Thrillerhandlung von "The Cell" ist die eines gewöhnlichen Serienmörderfilms, wie sie seit "Das Schweigen der Lämmer" (1991) dutzendfach in Hollywood produziert wurden. Umso bemerkenswerter sind hingegen die düsteren surrealen Traumwelten, die sich in "The Cell" auftun, wenn eine Ermittlerin in das Unterbewusstsein des komatösen Killers eintaucht, um dort Aufschluss über den Aufenthaltsort des zuletzt entführten Opfers zu bekommen. Nach diesem gelungenen Einstand machte Singh mit einigen Fantasyfilmen wie "The Fall" (2006) weiter, die zunehmend zu inhaltlich uninteressanten visuellen Spektakeln verkamen.

Mit "Selfless" knüpft Singh im Prinzip direkt an seinen Erstling an. Aber zwischenzeitlich ist ihm anscheinend sein Händchen für Kinomagie abhanden gekommen. Was übrigbleibt sind leere - und zudem sehr gewollt wirkende - formale Hülsen. Was einst optisches Barock war, verflacht in "Selfless" zu einer uninspirierten Überdeutlichkeit. So nervt bereits die visuelle Einführung der Hauptcharaktere: Damian wohnt nicht nur in einem großen, schicken Loft im Herzen von Manhattan. Damit auch wirklich der allerletzte kapiert, wie reich dieser Mann ist, ist das gesamte Apartment mit goldenen Ornamenten wie aus "Tausend und einer Nacht" verziert. Außer seinem Krebs hat dieser Damian noch ein zweites Problem, nämlich die gestörte Beziehung zu seiner Tochter Madeline (Nathalie Martinez). Die ist das genaue Gegenteil ihres kapitalistischen Vaters und steht einer Self-Empowerment-Bewegung der Bürger ihres Viertels vor. Auch hier muss Singh die Überdeutlichkeit dieses Generationenkonfliktes noch einmal visuell auf eine absurde Spitze treiben, indem in Madelines Büro ein seltsames Federgehänge vor dem Fenster baumelt, das wie aus einem Flower-Power-Film der 70er-Jahre wirkt. Albright wiederum führt sein "Shedding" in einem leeren Lagerhaus durch, in das ein merkwürdiges, organisch geschwungenes Gaze-Gebilde eingepasst ist, dessen einzige Funktion es ist schön futuristisch auszusehen, wobei dieser Futurismus ebenfalls den 70ern entstammt...

Fazit: Der Sci-Fi-Thriller "Selfless" beweist, dass man mit einer halbgaren Umsetzung auch aus einer guten Grundidee einen nur mäßig gelungenen Film machen kann.




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