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Kritik: Die Augen des Engels (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Michael Winterbottom zählt neben Ken Loach zu den wichtigsten Vertretern des neuen britischen Films, viele seiner Filme sind heute Klassiker des Indie-Films, darunter etwa "Herzen in Aufruhr" mit Kate Winslet, "Welcome to Sarajevo" oder die Science-Fiction-Utopie "Codie 46". Für seinen neuesten Film, "Die Augen des Engels", nahm er sich des wahren Falls des "Engels mit den Eisaugen" an, Amanda Knox, die vier Jahre im Gefängnis wegen des angeblichen Mordes an einer britischen Studentin saß. Seine Welt-Premiere feierte der Film im letzten Jahr auf dem Toronto International Film Festival (TIFF). Als Drehort diente zu weiten Teilen die prachtvolle Stadt Siena in der Toskana, deren historische Altstadt seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Immer wieder scheint sich Regie-Ass Michael Winterbottom in seiner Mischung aus Drama, Mystery-Thriller und Selbstfindungs-Trip mit Lovestory-Anleihen in dem Gewirr der verschiedenen Gerne-Zutaten zu verlieren. Es scheint an zu vielen Stellen, als wisse Winterbottom selbst nicht genau, in welche Richtung sich sein Film am ehesten entwickeln sollte. Ganz so ungeniert wie der echte Regisseur zwischen den Genres umher wandelt (von den emotionalen Momenten und Szenen eines Liebesfilms bis zu den nebelverhangenen, düsteren Bilder und Stimmungen eines Suspense-Thrillers), so mäandert auch der Film-im-Film-Regisseur Thomas Lang zwischen Realität und Fiktion, zwischen Fiebertraum und Wirklichkeit. Daniel Brühl zeigt als nachdenklicher, an sich selbst zweifelnder Regisseur, der mit sich selbst im unreinen ist, aber eine starke, packende Vorstellung.

Die Figur der Kate Beckinsale, die Journalistin Simone, hätte es hingegen nicht gebraucht. Sie ist nett anzusehen und verleiht dem Film Grazie und Anmut, freilich, aber ihre blasse Figur verkommt letztlich zur überflüssigen Stichwortgeberin. Zudem kommt die Liebesgeschichte zwischen den Beiden unnötig und allzu aufgesetzt daher. Winterbottom hoch anzurechnen ist es jedoch, dass er auch die Thematik der Medien- und Massenhysterie rund um den wahren Mordfall aufgreift und kritisch darstellt bzw. hinterfragt. Voller Pracht und Opulenz sind in jedem Fall die edlen Bilder und Einstellungen der italienischen Stadt Siena, die die perfekte Kulisse für diesen undurchsichtigen Film abgibt. Die engen Gassen und stilvollen Gotik-Gebilde der Stadt sind ebenso geheimnisvoll, atmosphärisch und nebulös wie das Innenleben der Hauptfigur.

Fazit: Ein spannender, rätselhafter Film, der zwar immer wieder zu ungeniert zwischen den Genres und Genre-Konventionen wechselt aber eine herausragend-berauschende Kulisse und bärenstarken Hauptdarsteller bietet.





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