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Kritik: 3 Herzen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Dreiecksgeschichte erinnert mit der düsteren Konsequenz ihrer Zufälle an ein klassisches Melodram. Dem Genre huldigt der französische Regisseur und Drehbuchautor Benoît Jacquot auch, indem er die Zerbrechlichkeit des Herzens zum Leitmotiv erhebt. Der Steuerprüfer Marc hat einen Infarkt überlebt und muss sich schonen. Aber auf der Suche nach der heilenden Liebe gerät er in ein Dilemma: Obwohl er mit Sophie glücklich ist, fühlte er sich zuerst zu ihrer Schwester Sylvie hingezogen, und diese Sehnsucht ist nie erloschen. Die beiden Schwestern wiederum sind ein Herz und eine Seele: Als Sylvie beim Skypen entdeckt, wer der Bräutigam von Sophie ist, beschließt sie instinktiv aus Sorge um sie, ihr nie das Geheimnis dieses Mannes zu verraten. So schwimmt das Drama auf altmodische Weise gegen den Strom: Anders als in vielen, gerade auch französischen Beziehungsdramen, wird das Fremdgehen, selbst wenn es über weite Strecken nur im Geiste stattfindet, als todernstes No-Go betrachtet.
Der Film baut einen Suspense auf, der an die Spannung eines Thrillers heranreicht. Das liegt zum einen daran, dass zwischendurch Zweifel aufkommen, ob Marc nicht doch wusste, wer Sophies Schwester ist. Offenbar ahnte er zumindest längst mehr, ohne mit seiner künftigen Frau darüber zu sprechen. Zum anderen wird Marcs Heimlichtuerei mit seiner Arbeit als Steuerprüfer kontrastiert: Wenn er zum Beispiel den Bürgermeister der Provinzstadt der Steuerhinterziehung verdächtigt und ihm vorhält, die Gesetze würden für jeden gelten, dann fällt dieser Spruch auch auf ihn selbst zurück. Darf ein Mann mit verdeckten Karten spielen, um die Liebe zu genießen? Oder ist es vielmehr Marcs Anspruch des Überkorrekten, mit dem er sich selbst blockiert?
Diese Spannung löst der Film allerdings nicht befriedigend auf. Vieles bleibt bruchstückhaft, angedeutete Verbindungen werden nicht weiter verfolgt. Zu dieser Rätselhaftigkeit der Inszenierung gehört auch das musikalische Leitmotiv in Form eines dröhnenden Tons, der auf das Herz drückt wie eine verengte Ader. Völlig überraschend gibt irgendwann auch ein Off-Erzähler Auskunft über Marcs Innenleben. Eine ansprechende Atmosphäre entsteht wiederum, weil viele Szenen in der schönen Villa von Sophies und Sylvies Mutter spielen. Dort kommen beim Essen Genuss und Lebensart auf ihre Kosten. Und natürlich sorgen auch die guten Darsteller für Filmvergnügen: Catherine Deneuve und ihre Tochter Chiara Mastroianni, sowie die immer etwas rätselhafte, spröde Charlotte Gainsbourg. Und wer Benoît Poelvoorde hauptsächlich mit der Komödie "Nichts zu verzollen" in Verbindung bringt, erlebt ihn hier einmal in einer ernsten Rolle. Insgesamt ein zwar interessanter und gut gespielter Film, der aber den Herzschmerz eher an die Wand malt, als dass er ihn mit Leben füllt.

Fazit: Die gut gespielte Dreiecksgeschichte baut viel Spannung auf, legt aber zwischen Angst und Begehren einige geheimnisvolle Fährten, die nicht weiterführen.





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