oder

My Stuff (2013)

Tavarataivas

Ein junger finnischer Dokumentarfilmer will in einem Selbstexperiment herausfinden, was er wirklich braucht: Er lagert all seinen Besitz ein und will sich ein Jahr lang täglich nur einen Gegenstand zurückholen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Alles begann mit einer Lebenskrise: Nach der Trennung von seiner Freundin suchte der 23-jährige Finne Petri Luukkainen Trost im Materiellen und kaufte wesentlich mehr Dinge, als unter normalen Umständen. Drei Jahre später ist der Filmemacher dann ziemlich irritiert von dem ganzen Zeug, das sich in seiner Wohnung angesammelt hat und ihm, wie er argwöhnt, vielleicht den Blick auf das Wesentliche verstellt. Sein radikales Selbstexperiment, das er ein Jahr lang mit der Kamera begleitet, beginnt: Er packt seinen ganzen Besitz in einen Lagerraum und steht an Tag 1 nackt in seiner leeren Wohnung. Seine Regeln besagen, dass er pro Tag nur jeweils ein Objekt aus dem Lager zurückholen kann. Angekauft werden darf nichts – außer Lebensmittel. Sein jüngerer Bruder, die geliebte Großmutter, die Mutter und seine Freunde begleiten das Experiment mit einer Mischung aus Skepsis und wohlwollendem Interesse.

Bildergalerie zum Film

My StuffMy StuffMy StuffMy StuffMy StuffMy Stuff


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Das Selbstexperiment des jungen Finnen Petri Luukkainen passt gut in unsere Zeit. Immer mehr Menschen bereitet der materielle Überfluss Unbehagen und sie stellen die Konsumorientierung der Gesellschaft in Frage. Der 26-jährige Filmemacher sperrt alle seine Habseligkeiten in ein Self-Storage-Lager, aus dem er nach selbst auferlegter Regel ein Jahr lang nur einen Gegenstand pro Tag herausholen darf. Dieses Experiment soll ihm aber nicht nur Klarheit über die tatsächliche Bedeutung materieller Dinge verschaffen, sondern viel allgemeiner, über die wahren Werte im Leben. Der unterhaltsame, humorvolle Dokumentarfilm hat einen hohen Identifikationswert und lässt die Zuschauer auf lebendige Weise an der Orientierungssuche eines jungen Erwachsenen teilnehmen.
Luukkainen ist ehrlich genug, um seine Motivation auf eine moralische Krise, hervorgerufen durch die Trennung von einer Frau, zurückzuführen. So gesehen erweist sich das Experiment als geschickte Selbsthilfemaßnahme. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf praktische Aufgaben. Luukkainens Abenteuer beginnt nicht mit dem Packen eines Rucksacks für einen Trip in die Wildnis, sondern in einer leer geräumten Wohnung im Winter von Helsinki. Nachts schläft er auf dem Boden. Als er nach sieben Tagen seine Matratze aus dem Lager zurückholt, genießt er die neue Lebensqualität in vollen Zügen.

Die Chronologie des einjährigen Experiments wird vor allem anfangs gelegentlich unterbrochen von kleinen Rückblenden. Atmosphärisch sorgen die seelischen Höhen und Tiefen des Protagonisten für Auflockerung, so dass der Versuch nicht schematisch wirkt. Vielmehr geht er in die Tiefe und ist an der Seite seines Protagonisten, dem man emotional näher kommt, immer wieder für Überraschungen gut. Einen spannenden Twist bekommt die Geschichte, als sich Luukkainen mit einer jungen Frau zu einer Fahrradtour verabredet. Als Maßstab für den Countdown der Tage dient nun die verbleibende Zeit bis zum Date. Denn die Aufregung des Protagonisten spiegelt sich witzigerweise im Materiellen: Ein geklautes Fahrrad, ein kaputtes Abflussrohr könnten verhindern, dass es mit der Liebe klappt!
Im Laufe dieses unterhaltsamen Films gibt es Momente schwermütiger finnischer Sensibilität, dann wieder wirkt die jugendliche Aufbruchstimmung ansteckend. Jazzmusik von Timo Lassy und abwechslungsreiche Außenaufnahmen in Helsinki und auf dem Land im Wandel der Jahreszeiten komplettieren diesen frischen, anregenden Dokumentarfilm.

Fazit: In einem humorvollen und aufschlussreichen Selbstexperiment erforscht der finnische Dokumentarfilmer Petri Luukkainen, wie es ist, eine Weile ohne Socken, Handy und die unzähligen anderen Gebrauchsgegenstände des Alltags auszukommen.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: My Stuff

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Finnland
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 83 Minuten
Kinostart: 05.03.2015
Regie: Petri Luukkainen
Darsteller: Petri Luukkainen, Helena Saarinen, Juho Luukkainen
Verleih: Rise and Shine Cinema

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.