VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Papusza - Die Poetin der Roma
Papusza - Die Poetin der Roma
© Kairos Film

Kritik: Papusza - Die Poetin der Roma (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Den deutschen Kinostart wird ein Teil des Regieduos nicht mehr erleben. Krzysztof Krause starb am 24. Dezember 2014 an Krebs. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Joanna Kos-Krauze hatte er vor über zehn Jahren die Idee, das Leben der Dichterin Bronisława Wajs zu verfilmen. Doch "wir konnten irgendwie den richtigen Zugang nicht finden", sagt Joanna über das Projekt. Stattdessen realisierte das Paar zwei andere Spielfilme, "Mein Nikifor" (2004) und "Erlöserplatz" (2006), denen sie 2013 dann endlich "Papusza – Die Poetin der Roma" folgen ließen.

Der Zugang des Ehepaars zur Dichterin ist ein poetischer geworden. Früh stand die Entscheidung fest, Papuszas Leben in Schwarzweißbildern auf die große Leinwand zu bringen. Und neben der episodischen, stark elliptischen Erzählweise des Films ist besonders die zum Teil betörende Fotografie dessen große Stärke. Die Kameramänner Krzysztof Ptak und Wojciech Staroń fangen das Leben der polnischen Roma in fein nuancierten Grautönen ein. Die Flammen des nächtlichen Lagerfeuers, die vom Wetter gegerbten Gesichter, die Landschaften im Wandel der Jahreszeiten – nicht nur schön anzusehen, stets auch ein Spiegel der Seele des fahrenden Volks.

Was bereits nach wenigen Minuten ins Auge sticht: Immer wieder, auch nach kurzen Szenen, blendet der Film ab. Oft lassen die Regisseure die Leinwand etwas länger schwarz als nötig. Dunkle Flecken in einer Geschichte, die ganze Jahre überdecken. Denn "Papusza – Die Poetin der Roma" erzählt seine Geschichte nicht nur nonlinear und episodisch, das Drama blendet manch einschneidendes Ereignis aus. Papuszas Zwangsheirat mit dem deutlich älteren Dionizy (Zbigniew Waleryś) erzählt der Film beinahe beiläufig in drei kurzen, nur lose verknüpften Episoden. Die Verfolgung der Roma im Holocaust bleibt lange nur eine böse Ahnung, findet schließlich erst gegen Ende Eingang in den Film, als Papusza in einem von den Nazis versehrten Dorf unter den Leichen einen Säugling entdeckt. Davor wird dieses dunkle Kapitel lediglich angedeutet – in Gesprächen am Lagerfeuer, in den Ressentiments vieler Polen. Als ein Tanzabend der Roma einmal auf dem Polizeirevier endet, weil sie ohne Erlaubnis musizierten, klingt das dann so: Ein Polizist äußert sich zum Programm der Regierung, die Roma sesshaft zu machen. Sie könnten ja nach Auschwitz ziehen, dort sei jetzt Platz.

Mit den kurzen, schnell abgeblendeten Aufnahmen von Landschaften, Dorf- und Stadtansichten oder Gesichtern ahmt der Film aber auch Papuszas Literatur nach. In einen epischen, zwei Weltkriege und den Kalten Krieg umfassenden Familienroman mischen sich auf diese Weise Aufnahmen, die Papuszas Gedichtzeilen ähneln. Von denen hört man im Film leider viel zu wenige. Den Klang des Romani hat der Zuschauer hingegen beständig im Ohr. Die Regisseure legten Wert auf Authentizität. Bereits ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten lernten die Schauspieler die Sprache der Poetin.

Fazit: Das Ehepaar Krzysztof Krause und Joanna Kos-Krause bringt das bewegte Leben der Dichterin Bronisława Wajs in ebenso bewegenden Schwarzweißbildern auf die Leinwand. Die elliptische Erzählweise verlangt den Zuschauern viel Wachsamkeit ab, belohnt jedoch mit einem ruhigen, nachdenklichen Ton.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.