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Scorpions - Forever and a Day
Scorpions - Forever and a Day
© Tempest Film

Kritik: Scorpions - Forever and a Day (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Scorpions sind anders als andere berühmte Rockbands: Sie stammen aus Deutschland, sie sorgten nicht mit Drogenexzessen und Randale für Schlagzeilen und ihr Sänger hat eine ziemlich hohe Stimme. Aber wie die Rolling Stones stehen sie schon seit Ewigkeiten auf der Bühne und können nicht aufhören. Warum auch, fragt sich der Gitarrist Matthias Jabs am Ende der Farewell-Tour: Solange es so gut läuft, wäre es doch eine "abartige Vorstellung", einen Schlussstrich zu ziehen, meint er. Und so machen die Scorpions auch nach 100 Millionen verkaufter Platten weiterhin das, was sie so gut können: laute Musik und gefühlvolle Balladen für ein großes Publikum. 2015 und 2016 steht die 50th Anniversary World Tour auf dem Programm. Der Dokumentarfilm der Regisseurin Katja von Garnier schildert ziemlich schlüssig, warum der Rock'n'Roll, der einst ja ein Synonym für Jungsein war, inzwischen so herrlich vital in den Adern von Silver Agern pulsiert.

Für Englisch als Gesangssprache entschied sich die Band, um auch in den USA Erfolg zu haben – eine Rechnung, die aufging: Im Jahr 1984 spielte die Band im ausverkauften Madison Square Garden in New York. Matthias Jabs ließ zu diesem Ereignis seine Mutter einfliegen, die ihn anschließend fragte, ob er nicht mal was Richtiges machen wolle. Die Mischung aus alten Konzertmitschnitten und von den Bandmitgliedern erzählten Erinnerungen entfaltet überzeugenden Charme. Auf den Stationen der Farewell-Tour, die im Film die Gegenwartsebene bilden, werden mancherorts Erinnerungen an frühere Auftritte wach, etwa in Paris, wo die Band schon 1984 spielte. Zu den Meilensteinen, die der Film würdigt, gehört natürlich auch das Konzert 1989 im Moskauer Gorki-Park mit der Wende-Hymne "Wind of Change". Aber die Flaute, mit der die Band in den 1990er Jahren zu kämpfen hatte, wird ebenfalls erwähnt.

Der Film geht nicht chronologisch vor, sondern behandelt die US-Auftritte als eigenen Block, der relativ spät noch einmal zurück in die 1980er geht. An dieser Stelle wirkt die Dramaturgie etwas ermüdend. In den recht schnell aufeinanderfolgenden Schnitten werden Archivmaterial, aktuelle Konzertauftritte und Statements bunt gemischt. Die Montage serviert auch die Kommentare der Scorpions-Mitglieder in Schnipselform: Weniger als ein paar knappe Sätze am Stück sind meistens nicht drin. Vielleicht ist ein gewisser Abstand zum Publikum von den Musikern auch gewollt. Ihre unaufgeregte Professionalität dient aber nicht unbedingt der filmischen Spannung. An manchen Stellen hätte man sich etwas Vertiefung gewünscht, zum Beispiel zu den Themen Proben oder Komposition.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Katja von Garnier gleicht einem Erinnerungsalbum aus bewegten Bildern für die deutsche Band, die als Urgestein der Rockmusik eine Brücke von den wilden Siebzigern in die Gegenwart schlägt. Die Archivaufnahmen aus vergangenen Jahrzehnten und die anekdotischen Rückblicke besitzen Charme, aber die intensive Montage schafft auch eine gewisse Distanz.





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