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Grigris Glück
Grigris Glück
© Temperclayfilm

Kritik: Grigris Glück (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Glaube an sich selbst und die niemals endende Hoffnung auf ein besseres Leben - Themenkomplexe, die sich in den Filmen von Mahamat -Saleh Haroun immer wieder finden. 2013 lief sein Drama "Grigris' Glück" im Wettbewerb um die goldene Palme in Cannes. Schon 2010 nahm er mit seinem Film "Un homme qui crie" an dem Wettbewerb teil. Zwar konnte "Grigris' Glück" nicht den Hauptpreis gewinnen, dennoch ging Haroun nicht leer aus: sein von einem hochtalentierten, behinderten jungen Mann erzählendes Drama gewann schließlich den Vulkan-Preis für die beste künstlerische Umsetzung. "Grigris' Glück" ist ein mit viel Gespür für seine Figuren erzähltes, intensives dramatisches Werk, das lange nachwirkt.

Zwei Aspekte stehen im erzählerischen Zentrum von "Grigris' Glück": Regisseur Haroun berichtet zum einen authentisch und ohne falsche Sentimentalitäten aus den Slums der Hauptstadt des Tschad, N'Djamena. Das dortige Leben der Bewohner ist geprägt von Armut und dem alltäglichen Kampf ums Überleben, daraus macht Haroun zu keiner Zeit einen Hehl. Unter diesem Blickwinkel funktioniert der Film auch bestens als realistische Milieu-Studie, die heruntergekommene Baracken ebenso zeigt wie in Lumpen gekleidete Menschen und Benzin schmuggelnde Banden, die ebenso wie die Hauptfiguren vor allem um eines kämpfen: ums Überleben. Inmitten dieses Kampfes befindet sich Grigris, der sich als Assistent im Fotoladen seines Stiefvaters verdingt und in einer spärlichen Unterkunft hausen muss.

Der zweite Aspekt: "Grigris Glück" erzählt von zwei Personen, die ihre Stellung als Außenseiter am Rande der Gesellschaft eint und die sich von ihrer Umwelt ausgegrenzt fühlen. Auf der einen Seite Grigris, dessen Behinderung ihn von den anderen abhebt, auf der anderen Mimi, die aufgrund ihrer Größe und Schönheit auffällt - und ihren Körper verkaufen muss um über die Runden zu kommen. Das Thema der Straßenprostitution ist ein gewaltiges Problem im Land, mit dem der Tschad schon lange zu kämpfen hat. Regisseur Haroun hat den Mut, es hier knallhart offenzulegen. Zu den Darstellern: Souleymane Démé und Anais Monory verkörpern ihre Figuren mit einer ausgewogenen Mischung aus leidenschaftlicher Spielfreude und schüchterner Zurückhaltung. Zu den Highlights des Films zählen zweifelsfrei die hitzigen Tanzszene, die das ganze atemberaubende tänzerische Talent von Grigris offen legen.

Fazit: Mit leidenschaftlichen Tanzszenen ausgestattetes Außenseiter-Drama, das man als aktuelle Bestandsaufnahme des Slum-Lebens im Tschad nach dem Bürgerkrieg verstehen kann.




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