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Kritik: Sum1 (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Debütfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Christian Pasquariello ist ein dystopischer Science-Fiction-Thriller, der eine klaustrophobische Atmosphäre entwickelt. Über weite Strecken ist der Titelcharakter SUM1 allein auf seinem Wachturm im Wald, in ständiger Erwartung eines Alienangriffs. Er erstattet seinem Kommandanten in der Zentrale regelmäßig Meldung und erhält Warnungen und Befehle anonym per Lautsprecher. Der einzige Mensch, der einmal hereinschaut, ist der Mechaniker Mac (André Hennicke), der einen Systemcheck an den Geräten durchführen soll.

SUM1 hat wie alle Soldaten eine Buchstaben-Ziffer-Kombination anstatt eines traditionellen Namens zugewiesen bekommen. Gefühle und Träume sind in seiner Welt nicht vorgesehen. Im spartanisch und funktional eingerichteten Wachturm gibt es nichts, was die Sinne erfreut. Der blonde junge Mann mit den hellen, mitunter farblosen Augen hat niemanden, mit dem er reden kann, der Kommandant fertigt ihn schnell und mit mechanischer Routine ab. Es ist erstaunlich, wie der Film mit einer so minimalistischen Ausstattung seine intensive Stimmung der Verlorenheit und des drohenden Unheils zu erzeugen vermag. SUM1 ist offenbar ein kleines Rädchen in einer totalitären Gesellschaft, in der er nichts zu melden hat. Der Wald wirkt auf ihn wie ein Ort der Freiheit, aber der Schein trügt und manchmal ist sogar der Lärm kriegerischer Gefechte zu hören.

Mal sieht es so aus, als würde SUM1 in seiner Isolation und Ungewissheit den Verstand verlieren, mal glaubt man, er plane seine Flucht aus den Fängen des Regimes. Dieses hat allerdings überall, auch draußen im Wald, seine Überwachungsanlagen installiert. Vieles bleibt äußerst rätselhaft in dieser Geschichte, die oft nur dürftig skizziert wirkt. Die Lösungen, die sie bietet, sind nicht nur völlig überraschend, sondern auch nebulös und fragmentarisch. Und das Finale will stilistisch nicht mehr so ganz dazupassen, es bricht mit dem Szenario der kargen Monotonie und konfrontiert den Protagonisten mit den Folgen seiner beengten Perspektive. So wirkt dieser sehr eigenwillige und ungewöhnliche Film auch irgendwie unfertig. Aber er ist eine interessante Talentprobe, die aufgrund ihrer starken atmosphärischen Wirkung überzeugt.

Fazit: Der Debütfilm von Christian Pasquariello kommt bis auf wenige Szenen mit einem einzigen Protagonisten aus, der in einer postapokalyptischen Welt auf seinem Wachturm Ausschau nach Aliens und Schutzbedürftigen hält. 100 Tage dauert seine soldatische Mission, die ihn aus dem unterirdischen Reich der Menschheit hinaus ans Tageslicht geführt hat. Die minimalistisch karge Ausstattung und die rätselhafte, oft nur dürftig skizzierte Kombination von Themen wie Einsamkeit, Totalitarismus, Bedrohung durch Monster ergeben einen eigenwilligen Thriller mit intensiver atmosphärische Wirkung.





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