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Mülheim - Texas. Helge Schneider hier und dort
Mülheim - Texas. Helge Schneider hier und dort
© Piffl Medien

Kritik: Mülheim - Texas. Helge Schneider hier und dort (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Helge Schneider nutzt die Dokumentation "Mülheim - Texas" zur ungehemmten Selbstdarstellung. Wir sehen Helge gleich zu Beginn, wie er mit offenem Hemd in die Kamera grinsend in Spanien einen Feldweg mit dem Mofa entlangknattert. Später macht er Faxeb bei einem Fotoshooting, zu dem er sich in eine Jahrmarkt-Rakete für Kinder hineinklemmt. Dann hopst Helge wieder in Spanien mit hocherhobener Gitarre durch ein vertrockneter Tal oder badet dort in einer viel zu kleinen Badewanne im Garten seiner Ferienwohnung. Zwischendurch gibt es auch immer wieder klassische Interviewszenen in einem Studio vor schwarzem Hintergrund. Dort zum Thema "seiner Freiheit" befragt, antwortet Helge, dass man sich diese nehmen müsse, steht auf und geht.

Solche Aktionen torpedieren die Absicht der Filmemacherin den Menschen hinter der Kunstfigur Helge Schneider sichtbar zu machen. Doch zugleich sind dies auch anschauliche Bespiele für die Methode "Helge Schneider", sprich die versteckte Systematik hinter seinen scheinbaren Improvisationen. Der Spruch "Sontanität will wohl überlegt sein" könnte von ihm stammen. Bei einer Bandprobe zeigt sich was für ein feines Gehör und Musikverständnis der scheinbare Chaot tatsächlich besitzt. Mit einem unnachbiebigen Willen zur absoluten Perfektion tritzt Helge da auch einmal einen Mitmusiker, damit der selbst die genau geplanten Fehler im Stück fehlerfrei spielt.

Überhaupt überwiegt der Eindruck, dass Helge Schneider in Wirklichkeit ein sehr ernsthafter Mensch ist. An einer Stelle erzählt er, wie ein Freund zu Zeiten seiner Anfänge als Clown vom Dienst zu ihm gesagt habe, dass seine Witzeleien nicht echt seien, da er in Wahrheit immer so traurig ist. Zwar erfährt der Zuschauer in "Mülheim -Texas" kaum etwas über die Privatperson Helge Schneider. Aber wahrscheinlich hat Helge recht, wenn er meint, dass niemand einen Star beim Einkaufen sehen will. Es gehe vielmehr darum, sein Geheimnis zu wahren. Es sind insbesondere seine scharfen Beobachtungen und - jawohl - philosophischen Betrachtungen durch die in dieser Dokumentation am Ende doch der hinter hinter der Bühnenfigur Helge Schneider versteckte Mensch sichtbar wird.

Fazit: Vordergründig gewohnt anarchisch, doch zwischen den Zeilen ernsthaft und nachdenklich zeigt sich Helge Schneider in dieser sehenswerten Dokumentation.





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