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Willkommen auf Deutsch
Willkommen auf Deutsch
© Brown Sugar Films

Kritik: Willkommen auf Deutsch (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Carsten Rau und Hauke Wendler ist ein wichtiger Beitrag in einer Zeit, in der immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen und die Angst vor Überfremdung mancherorts Bürger auf die Straße treibt. Er zeigt nämlich am Beispiel des Landkreises Harburg ganz konkret auf, an welchen inneren Widersprüchen die Asylpolitik krankt. Einerseits steht über dem gesamten behördlichen Umgang mit den Neuankömmlingen das unsichtbare Schild "Integration unerwünscht". Andererseits bemühen sich die Kommunen hier und da dann doch, das Zusammenleben vor Ort zu fördern. Wo das gelingt, ist das Entsetzen dann groß, wenn die willkommen Geheißenen wieder abgeschoben werden.

Der Film, der sich in dem Dorf Appel, der Gemeinde Tespe und der Landkreisverwaltung fast ein Jahr lang umschaut, zeigt ausgesprochen unaufgeregt die verschiedenen Standpunkte und Problemfelder auf. Er verurteilt die Bürger des Dorfes Appel nicht, die sich massiv – und letztlich erfolgreich mit einer typisch deutschen bürokratischen Finte - gegen den geplanten Zuzug von 53 Asylbewerbern wehren. Vielmehr lässt er die Frage aufscheinen, warum überhaupt eine so große Zahl von Flüchtlingen in ein Dorf ziehen soll, in dem es noch nicht einmal einen Lebensmittelladen gibt. Schließlich finden ein paar Männer aus Albanien und aus Syrien in dem örtlichen Gasthof ein Quartier. Der Wirt erkennt, dass einige von ihnen eine schwierige Odyssee hinter sich haben und dringend moralische Unterstützung brauchen. Die Menschen, die in der ehemaligen Sparkasse in Tespe untergebracht sind, wären in dem beschaulichen Ort mit seinen Backsteingebäuden völlig isoliert, gäbe es dort nicht auch einzelne hilfsbereite Bürger, die auf sie zugehen. Und im Nachbarort hat die Kirche ein gut frequentiertes Begegnungscafé eingerichtet. Dass Familien nicht auseinandergerissen werden und sich manchmal eine unerwartete Lösung für Härtefälle findet, liegt nicht selten gerade am Engagement des örtlichen Umfelds.

Der beobachtende Film gewichtet die positiven, um Verständnis bemühten Stimmen, sowohl aus dem Kreis der Einheimischen, als auf Seiten der Neuankömmlinge, stärker. Aber dass die Hardliner und die in Vorurteilen, oder in Enttäuschung Gefangenen nicht häufiger zu Wort kommen, ist vielleicht gar kein Manko. Denn so sachlich und ruhig der Film auch wirkt, er hat durchaus eine Botschaft: Es gibt in Deutschland eine – wenn auch noch stark ausbaufähige - Willkommenskultur, und viele Flüchtlinge, die es hierher schaffen, sind hochmotiviert, sich so schnell wie möglich in diese Gesellschaft zu integrieren.

Fazit: Der Dokumentarfilm beobachtet in einem niedersächsischen Landkreis, wie konzeptlos und überfordert die Kommunen auf den Zustrom von Asylbewerbern reagieren. Anhand konkreter Beispiele aber zeigt er sachlich und gleichzeitig ermutigend auf, dass die Idee einer Willkommenskultur notwendig und machbar ist.




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