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Himmelverbot (2015)

Himmelverbot - Outside

Andrei Schwartz begleitet in seinem Dokumentarfilm einen verurteilten Mörder nach seiner Haftentlassung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Aus Rache habe er die Oberstaatsanwältin und ihren Mann erschossen, erklärt Gavriel Hrib, genannt Gabi. Bei einem frühere Gerichtsverfahren habe die Frau ihn als einen "lausigen Juden" bezeichnet, dafür musste sie nach Gabis Angaben einige Jahre später sterben. 21 Jahre sind seit dem blutigen Verbrechen vergangen, von 1990 bis 2011 war Gabi deshalb in einem rumänischen Gefängnis inhaftiert. Nun ist er entlassen worden und muss die überfüllte Zelle, in der er zum Abschied mit seinen Mitinsassen noch einmal gefeiert hat, und die immer gleiche Gefängnisroutine hinter sich lassen. Draußen, vor den Gefängnistoren, hat sich einiges geändert: Die Tage der kommunistischen Diktatur sind längst gezählt und Rumänien ist mittlerweile Teil der Europäischen Union geworden. Doch 2012 kam es in Folge der weltweiten Finanzkrise zu einer Staatskrise und auch die ökonomische Lage ist weiterhin schwierig. Gabi versucht sich in die ihm fremde Gesellschaft einzufügen, doch die Nachbarn sind feindselig und seine Familie mit der Situation vollkommen überfordert.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Es sind spannende Themen, die der Filmemacher Andrei Schwartz mit seinem Dokumentarfilm anschneidet. "Himmelverbot" erzählt sowohl von den Schwierigkeiten einer Resozialisierung, von den Umwälzungen innerhalb Rumäniens als auch von einem Mann, der mit dem Leben hadert und sich trotzdem kämpferisch gibt. Gabi heißt dieser Mann und er ist ein Mörder, der sich nach seiner Haftentlassung wieder in die Gesellschaft eingliedern will.

Über Jahre hinweg hat Regisseur und Drehbuchautor Schwartz Gabi begleitet und während dieser Zeit eine Freundschaft mit dem ehemaligen Häftling aufgebaut. Einmal sitzen die beiden eng nebeneinander vor der Kamera, Gabi klagt dabei über die Isolation und Kälte, die er in seiner Familie und generell bei seinen Mitmenschen wahrnimmt. So scheint die Teilnahme am Film dem Mörder Sicherheit zu geben sowie ein wenig Trost zu spenden. Im Gegenzug gewährt er Einblicke in sein Leben und redet bereitwillig immer wieder über sein Verbrechen.

Für seine Tat finden sich immer wieder neue Erklärungsmuster, mal sind es die zerrütteten Familienverhältnisse, dann wieder die aufgeheizte Stimmung der Rumänischen Revolution 1989, die Gabi dazu gebracht haben zwei Menschen zu erschießen. Bei aller Intimität bleibt Schwartz jedoch stets auf kritischer Distanz und hinterfragt oder erläutert das Geschehen auf der Leinwand anhand von Off-Kommentaren. Erst zum Finale hin zeigt sich, dass Gabi tatsächlich nicht immer ehrlich war: Nach einem etwas behäbigen und unfokussierten Mittelteil findet "Himmelverbot" hier doch noch sein großes Thema, das auf die gesamte Dokumentation aus einer neuen Perspektive zurückblicken lässt.

Fazit: Der sehenswerte Dokumentarfilm kann trotz eines etwas behäbigen Mittelteils überzeugen. Die enge Verbindung zwischen dem Regisseur und dem Protagonisten sowie eine finale Wendung bereichern den Film um spannende Facetten.




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Land: Deutschland, Rumänien
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation, Biopic
Länge: 86 Minuten
Kinostart: 13.08.2015
Regie: Andrei Schwartz
Verleih: W-Film

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