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Son Mektup
Son Mektup
© www.sonmektupfilmi.com

Kritik: Son Mektup (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Son Mektup" ist das neueste Werk des in Istanbul geborenen Regisseurs Özhan Eren, der fast schon so etwas wie ein Spezialist für epische Historien-Filme und üppig ausgestattete Dramen ist. Einer seiner bekanntesten Filme ist "120", ein immens erfolgreicher aber auch kostspieliger Historienfilm. Seine beiden bevorzugten Genres, Drama und Historie, kommen nun in seinem neuen Film zusammen, dem monumentalen "Son Mektup". "Son Mektup" ist ein berauschend ausgestatteter, Authentizität vermittelnder Kriegsfilm, der die Lovestory-Elemente gekonnt in seine Handlung einbaut und dadurch viel Emotion erzeugt. Auch wenn der Film ein wenig zu oft auf die Tränendrüse drückt und sich in allzu vielen Klischees ergeht.

Seine Vorbilder suchte Filmemacher Eren in Hollywood und wurde bei Kassenschlagern und Blockbuster-Bombast wie z.B. "Pearl Harbour" oder "Der englische Patient" fündig. Von diesen Filmen entlieh er sich die imposant animierten, spektakulären Luftkampf- und Kriegsszenen, die sich in Sachen Visualität und (damit Glaubwürdigkeit) nicht vor Hollywood verstecken brauchen. Eren liebt es, die Kampf- und Kriegsszenen genüsslich in Szene zu setzten, ja regelrecht kunstvoll zu choreographieren, wenn er z.B. immer wieder die Zeitlupe einsetzt, wodurch im Angesicht von Tod und Schrecken fast schon hoch artifizielle Aufnahmen entstehen. Diese künstlerische Herangehensweise ist Geschmackssache.

Leider orientierte sich Eren aber auch am Liebes-Schmalz solcher lediglich durchwachsener Kriegs-Dramen wie z.B. Corellis Mandoline mit Nicolas Cage. Die sich immer weiter aufbauende Liebesbeziehung zwischen Nihal und Salih ist da schon fast obligatorisch und folgt dann auch irgendwann nur noch dem altbekannten Kennenlernen-Verlieben-Trennen-Muster, was man schon zu oft an anderer Stelle gesehen hat. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es Eren verstanden hat, den gefühlvollen, emotionalen Teil seiner Geschichte ohne größeren Bruch in den Grundplot zu implementieren. Die ein oder anderen schwülstig-schmierigen, ins Pathos abdriftenden Dialoge ("Vaterlandsliebe ist im Glauben enthalten") hätte sich Eren aber in jedem Fall sparen können. Zurück bleibt kein schlechter Eindruck eines handwerklich fast tadellosen Film.

Fazit: Handwerklich nahezu fehlerfrei umgesetztes, mit staunenswerten Kampfszenen versehenes Kriegs-Drama, dessen Love-Story und emotionale Momente zu vorhersehbar geraten und die pathetischen Dialoge schlicht überflüssig sind.




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