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Der Perlmuttknopf
Der Perlmuttknopf
© Real Fiction

Kritik: Der Perlmuttknopf (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es ist unausweichlich, dass Regisseur und Drehbuchautor Patricio Guzmán ("Heimweh nach den Sternen") irgendwann doch wieder den Bogen zum Pinochet-Putsch und dem dann folgenden Schreckensregime spannt, auch wenn es vorher um das (Nicht-)Verhältnis von Chile zu seiner 4300 Kilometer langen Küste und dem Pazifischen Ozean ging oder um das Kosmische im Element Wasser. Denn wenn jemand wie Guzmán zu den Inhaftierten im Fußballstadion von Santiago gehörte und nur von Glück sagen kann, dass er das Land verlassen durfte, hat er jedes Recht, diesen tiefen Einschnitt in der chilenischen Geschichte wieder auf die Leinwand zu bringen. Zumal - das zeigt dieser Dokumentarfilm ja überdeutlich - die Wunden dieser Zeit noch nicht vernarbt sind. Die Mörder sind noch immer unter ihnen.

Doch Guzmán interessiert sich mehr für die Opfer. Er will ihnen Stimmen, Gesichter und Würde wiedergeben - diejenigen, die als verschollen, als die "Unsichtbaren" gelten. Und er holt weiter aus - sieht die Mordwellen der Pinochet-Diktatur in einer unheiligen Tradition des Genozids der Indianervölker, insbesondere der Ureinwohner Patagoniens durch die weißen Siedler im 19. Jahrhundert. Den wenigen Nachfahren, die noch geblieben sind, gibt er in Interviews ebenfalls Gesicht und Stimme.

Dies alles verbindend eine interessante Klammer: Das Wasser ist für Guzmán das Gedächtnis des Landes, das die Möglichkeiten des Landes Chile ebenso wiederspiegelt, wie es Chronist seiner Verbrechen wurde: Als nämlich das Militär gefolterte Menschen tot oder lebendig an Eisenbahnschienen band, sie in Plastik- und Kartoffelsäcken aus Hubschraubern ins Meer stoßen ließ.

Manches mag arg esoterisch klingen, einige Ideen ein bisschen gezwungen (muss es gleich das ganze Weltall sein?), aber die Herangehensweise, Wasser als kulturellen und historischen Chronisten zu betrachten, zugleich in atemberaubenden Bildern und intensiven Tonaufnahmen und -collagen seine Schönheit und seine Poesie zu besingen, ist originell und gewinnend.

Wichtiger aber ist die klar geäußerte Intention des Filmemachers, mit Dokumentationen wie diesen darauf hinzuweisen, dass es Menschen gibt, die sich nicht damit abfinden wollen, über widerwärtige Verbrechen den Schleier des Vergessens legen zu lassen. "El boton de nacar" ist ein künstlerisch wie menschlich packendes Werk - Humanismus und die Erhabenheit der Natur auf das Beeindruckendste verbindend.





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