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Kritik: El Club (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Pablo Larraíns Drama "The Club" reiht sich ein in eine in letzter Zeit kaum abreißen wollende Serie von Filmen, welche die katholische Kirche unter Beschuss nehmen. So waren im vergangenen Jahr unter anderem die kroatische Komödie "Gott verhüte!" und die belgische Satire "In the Name of the Son" in unseren Kinos zu sehen. Dabei war "Gott verhüte!" relativ harmlos und "In the Name of the Son" bereits so surreal, dass er nicht wirklich betroffen machte. Aber jetzt tritt "The Club" an für den definitven Schlag in die Magengrube des Zuschauers. Das Drama verbindet eine große stimmungsmäßige Tristesse mit einem harten Realismus. Grau und öde ist der Ort, an dem die ehemaligen Padres ihre letzte Zuflucht gefunden haben. Desillusioniert, verhärmt und seelisch verrottet erscheinen die Bewohner dieser seltsamen WG.

Umso irritierender ist es, wenn man Zeuge wird, wie darüber beraten wird, wie der WG-eigene Goldesel in Form eines bei Hunderennen kräftige Wetteinnahmen bringenden Windhundes zum noch mehr Cash einbringenden Champignon trainiert werden soll. So schleicht sich eine wirklich böse Form der Satire quasi durch die Hintertür in den sich schlicht gebenden Film hinein. Richtig in die Vollen geht es, sobald der Ermittler den degenierten Padres kräftig auf den faulen Zahn zu fühlen beginnt. Jeder hat seine eigene kaum zu glaubende Geschichte, weshalb er an diesen Ort gekommen ist. Verbunden sind sie durch ihre anhaltende Uneinsichtigkeit. So glaubt der Psychologe oftmals kaum seinen Ohren zu trauen, wenn Pädophile und andere Übeltäter bei den Interviews einen Schwank aus ihrem Leben zum Besten geben.

Aber all dies ist erst die Vorstufe zu einem Finale, das einem wirklich die Sprache verschlägt und das in einer bitterbösen Pointe gipfelt, bei dem einem fast das Lachen im Halse stecken bleibt. Am Ende mag die aus den Fugen geratene Ordnung zwar wieder hergestellt sein, aber genau dies ist keine frohe Botschaft... "The Club" feierte auf der 65. Berlinale 2015 seine Premiere und wurde dabei mit dem Silbernen Bären und dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Das ist für diesen herausragenden Film auf jeden Fall eine gute Entscheidung. Noch besse wäre es jedoch gewesen, wenn dieses Drama - und nicht die iranische Fake-Doku "Taxi" den Goldenen Bären erhalten hätte.

Fazit: Die chilenische Katholizismuskritik "The Club" ist eine in grauen Bildern eingefangene bitterböse Satire, die noch lange nach dem Sehen nachwirkt.




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