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Gone with the Bullets
Gone with the Bullets
© Columbia Pictures © Emperor Motion Pictures

Kritik: Gone with the Bullets (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Man muss Jiang Wen zu Gute halten, dass er diese einigermaßen auf historischen Gegebenheiten beruhende Geschichte mit Gusto auf die Leinwand gebracht hat. Er legt ein atemberaubendes Tempo vor, scheut sich nicht, gleich mit einer Anspielung auf "Der Pate" einzusteigen oder ziemlich offen Absurditäten einzuflechten ("Sie wird einen Song von Gershwin singen, den er erst in zehn Jahren schreiben wird").

Aber eine Farce ist eine delikate Angelegenheit: Übertreibt man es, wird es schnell albern ermüdend; bremst man sie, dann verliert man in der Ernsthaftigkeit den Tonfall aus den Augen und Ohren, mit dem man das Publikum für sich gewinnen wollte.

Der Film wirkt jedenfalls recht uneinheitlich in den Stilmitteln und den Themen, mit denen er sich auseinandersetzt: Eine Satire auf die frühen Medien im China des 20. Jahrhunderts wechselt sich ab mit Gender-Betrachtungen, Tarantino-mäßigen Meta-Dialogen, politischen Ränkeschmieden, persönlicher Tragik und Eitelkeiten. Manches ist sehr launisch dargebracht, manches wiederum ernst. Das technische Feuerwerk aus Slapstick, Stummfilmelementen, Muscial, Hollywood und Tönender Wochenschau zündet teilweise, aber es lässt sich kein zweistündiger Film daraus bestreiten. Und die Erzählerstimme, die zu Beginn aus Sicht der Hauptperson das Ganze zusammenzuhalten schien, verstummt immer mal wieder über lange Passagen, so dass sich in diesem episodenhaften Werk ein wenig das Gefühl der Beliebigkeit einzuschleichen beginnt.

Mit westlichen Augen mag es auch sein, dass einem viele der Anspielungen und zu Grunde liegenden Themen entgehen. Aber man empfindet nicht allzu viel Mitgefühl mit der Hauptperson, da aufgrund des frivolen Tonfalls sowieso nie allzu viel auf dem Spiel zu stehen scheint. Szenen wie die Verfolgungsjagd am Schluss wirken fehlgeleitet in ihrem Klamauk-Tonfall, der die zuvor gestellte Frage nach dem Wert eines Menschen im Angesicht einer geifernden Öffentlichkeit ziemlich unterläuft.

Wen's fünfter Film (der Originaltitel lautet übersetzt "Ein Schritt zu weit"), 20 Millionen Dollar teuer, war in China mit Spannung erwartet worden - und wurde dort ein Erfolg, wenn auch kein überwältigender. Vom technischen Standpunkt her vermag der in Teilen schwungvolle, in Teilen hektische Streifen auf jeden Fall zu überzeugen. Es ist aber fraglich, ob die dargebrachte Geschichte interessant genug ist, um in Europa auf Resonanz zu stoßen.




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