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Kritik: Härte (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die ersten Aufnahmen von Rosa von Praunheims Dokufiktion "Härte" zeigen den Protagonisten Andreas Marquardt in der Gegenwart als selbstbewussten Mann, der stolz von seinen Erfolgen als Kampfsport-Champion erzählt. Mit bunten, freundlichen Bildern begleitet die Kamera Marquardt schließlich bei seiner Arbeit als Karatetrainer für Kinder und Jugendliche – eine Aufgabe, die ihm sichtlich Kraft gibt und Freude bereitet. Erst im Interview mit der Mutter eines kleinen Karateschülers mischen sich ernstere Töne in das Porträt und Marquardts finstere Vergangenheit klingt an.

Diese Vergangenheit, Marquardts von Gewalt und Missbrauch geprägte Kindheit sowie seine Karriere als Zuhälter, soll sich in Form von stilisierten, in Schwarzweiß gehaltenen Szenen nun immer wieder zwischen die dokumentarischen Aufnahmen drängen und das Erzählen Marquadts ergänzen. Vor minimalistischen Kulissen inszeniert von Praunheim ausgewählte biografische Stationen seines Protagonisten und rekonstruiert dabei mit schmerzhafter Genauigkeit wie dieser zum Opfer sexuellen Missbrauchs wurde und wie die Traumatisierung des Kindes bis ins Erwachsenenleben nachhallt. Bisweilen wirkt das melodramatisch, campy und grotesk, vor allem Katy Karrenbauer als Mutter mit großer schwarzer Perücke irritiert zunächst.

Und dennoch ist von Praunheim ein stimmiger, überzeugender Film gelungen. Gerade im scharfen Kontrast zwischen nüchtern beobachteter Gegenwart und ästhetisch übersteigerter Vergangenheit entwickelt "Härte" einen emotionalen Sog, der zugleich aber einen distanzierten und nie rührseligen Blick auf Marquardts Biografie ermöglicht. Die unaufgeregte und zurückgenommene Regie lässt den starken Schauspielern zudem Raum, Emotionen auszuloten und diese vermittelt durch das präzise Spiel erfahrbar zu machen.

Fazit: Rosa von Praunheims Dokufiktion porträtiert das Leben Andreas Marquardts mit geradezu schmerzhafter Genauigkeit. Dank der zurückgenommenen Regie sowie der starken Darsteller gelingt ein emotionaler, aber nie rührseliger Blick auf eine bewegte Biografie.





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