VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Hedi Schneider steckt fest (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es sind klischeehaft-fröhliche Bilder, mit denen "Hedi Schneider steckt fest" von Sonja Heiss beginnt: Eine junge Frau (Laura Tonke) fährt munter Fahrrad, dazu erklingt beschwingte Musik und sie beißt sich niedlich auf die Unterlippe. Dann steigt sie in einen Fahrstuhl – und er bleibt stecken. Als sie mit dem Mann spricht, der den Notfall entgegen nimmt, scheint sich ihre leichte Exzentrik noch zu bestätigen. Sie ist also ganz im Sinne von Amélie eine hübsche, leicht neurotische Frau, die in letzter Zeit so oft im deutschen Film zu finden war. Aber dann gerät Hedi aus der Balance, von einem Tag zum anderen wird sie von Angstattacken heimgesucht, die sie lähmen. Sie kann kaum noch ohne ihren Mann sein oder das Bett verlassen. Ihre Krankheit wird zu einer immer größeren Belastung für die Familie – und schließlich droht sie daran zu zerbrechen.

Im Grunde genommen erzählt Sonja Heiss in ihrem Film "Hedi Schneider steckt fest" die interessante Geschichte einer Frau, die eigentlich zufrieden sein könnte, dann aber von psychischen Problemen heimgesucht wird. Jedoch setzt der Film sehr darauf, dass Hedi durch Niedlichkeit ans Herz wächst – deshalb ist sie fantasievoll und trägt hippe Kleider, ist eine Mutter, die mit ihrem Kind auf Augenhöhe spielt, und eine verliebte Ehefrau. Erst dann darf sie abstürzen. Hier ist es vor allem der Verdient von Laura Tonke, dass die Schwankungen glaubwürdig sind – und manche Plotelemente ironisch durchbrochen werden.

Ohnehin gibt es eine Reihe von plakativen Momenten in diesem Film – der suizidale Kollege, abstürzende Papierflieger und das von einer Plastikplane umhüllte Haus –, auch die Bildsprache ist im typischen Indepentfilmmuster nah an der Protagonistin und in passender Retro-Farbgebung. Wenn Hedi nachts auf den Straßen wandelt, fühlt man sich daher an die amerikanischen Sundance-Filme erinnert.

Erst in der Krise zeigt der Film mehr Stärken. Hier erweist es sich als Vorteil, dass sich die Handlung in der Phase, in der Hedi von der Angst heimgesucht wird, auf den Kern ihrer Familie, auf ihren Ehemann und ihren Sohn konzentriert, nur einmal kommt noch Hedis Mutter hinzu. Dadurch werden die Auswirkungen auf das unmittelbare Umfeld – und gerade angesichts von Hedis Mann auch die Überforderung deutlich. Immerhin hatten sie vor nach Afrika zu reisen und dort eine Schule zu bauen, doch nun ist Hilfe vor Ort nötig – und Uli weiß nicht, was er machen soll. Natürlich ist er anfangs für seine Frau da, aber er kommt auch an den Punkt, an dem er fordert, sie solle sich selbst helfen. Denn anscheinend soll sie es können, die Menschen in Afrika aber nicht. Doch hier klingt nicht nur ein überheblicher Helfergestus an, sondern zugleich verliert Uli selbst damit Orientierung, war es doch immer sein Traum, nach Afrika zu gehen, und muss er nun einsehen, dass er vor Ort mehr gebraucht wird. Und das stürzt ihn ebenfalls in eine Krise.

Fazit: Der Film lebt von seinen guten Schauspielern, die als Ehepaar sehr glaubwürdig agieren – verbleibt in seiner Thematik aber größtenteils an der Oberfläche.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.