oder

Judgment - Grenze der Hoffnung (2015)

Sadilishteto

Drama über einen arbeitslosen Bulgaren, der Flüchtlinge über jene Grenze ins Land schleust, die er im Kommunismus als Soldat bewachte.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Mityo (Assen Blatechki) hat in Bulgarien als Fahrer bei einer Molkerei auf dem Land gearbeitet, die jetzt schließt. Nun kann er seine Hypothek nicht mehr bedienen und die Bank will ihm das Haus wegnehmen, wenn er nicht in wenigen Wochen 7000 Euro zahlt. Seit Mityos Frau an Krebs starb, ist sein Verhältnis zum 18-jährigen Sohn Vasko (Ovanes Torosian) sehr angespannt. Auch darum entschließt sich Mityo, das Haus um jeden Preis zu retten: Er nimmt das Angebot des Kapitans (Miki Manojlović), an, Flüchtlinge über die Türkei einzuschleusen und im Milchtank seines Lasters durch die massiv kontrollierte Grenzregion zu fahren. Der zynische Kapitan setzt Mityo auf den nächtlichen Touren unter Druck, Flüchtlinge, die nicht schnell genug sein können, einfach in den Bergen zurückzulassen. Aber Mityo widersetzt sich. Die Fußmärsche führen über einen Grat, der Jugdment genannt wird: Hier sollen schon die Griechen einst Menschen in den Abgrund gestoßen haben. 1988, als Mityo Grenzsoldat war, ereignete sich an dieser Stelle ein schrecklicher Vorfall, dem Vasko auf die Spur kommt.

Bildergalerie zum Film

Judgment - Grenze der HoffnungJudgment - Grenze der HoffnungJudgment - Grenze der HoffnungJudgment - Grenze der HoffnungJudgment - Grenze der HoffnungJudgment - Grenze der Hoffnung


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Das von Stephan Komandarev inszenierte Drama einer Vater-Sohn-Beziehung spielt im heutigen Bulgarien. Die Menschen in Mityos Dorf wirken angesichts von Arbeitslosigkeit und Landflucht ziemlich resigniert. Mit der Hauptfigur, einem ehemaligen Grenzsoldaten, wird auch ein dunkles Kapitel aus der kommunistischen Ära aufgeschlagen: Entlang der Grenze zur Türkei verlief der Eiserne Vorhang und Menschen aus verschiedenen Ländern des Ostblocks kamen hierher, um über die Berge zu fliehen. Manche wurden dabei von bulgarischen Soldaten erschossen. Paradoxerweise wird dieselbe Grenze inzwischen, weil es die veränderte politische Lage so will, vor illegalen EU-Einwanderern geschützt. Diese verblüffende Umkehrung verleiht dem Film eine besondere Brisanz, gerade weil sie kein fiktiver Drehbucheinfall ist.

Viele Menschen aus der Region sind zum Arbeiten in ein anderes EU-Land gegangen. Maria (Ina Nikolova), die neue Schülerin in Vaskos Klasse, hat ihre Mutter seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Mityo aber will das zweistöckige Haus im Dorf nicht aufgeben, nur weil er jetzt arbeitslos ist. Die Einsätze als Schleuser erscheinen ihm als die einzige Möglichkeit, genug Geld zu verdienen, um die Pfändung des Hauses zu verhindern. Die wirtschaftliche Not ist aber nicht das einzige Problem der Menschen hier. Manche von ihnen haben sich auch noch nicht ihrer eigenen Rolle im Kommunismus auseinandergesetzt. Der Kapitan kehrt den Zynismus und die Gefühlskälte, die er als kommunistischer Armee-Kommandant pflegte, nun gegen die Flüchtlinge, denen er ins Land hilft. Sie machen ihn reich, aber er nennt sie "Abschaum". Rassismus und Chauvinismus sind offenbar im heutigen Bulgarien nicht ganz unbekannt.

Der Film behandelt all diese Themen mit einem unbestechlichen Blick für die Realität. Zu diesem Ernst passen auch die langen, ruhigen Einstellungen, die imposanten Landschaftsaufnahmen mit den wolkenverhangenen Bergen, die Stille im Dorf, die melancholische Musik. Der Vater-Sohn-Konflikt zieht sich durch den ganzen Film, weil Vasko immer wieder einen echten oder vermeintlichen Grund findet, an Mityo zu zweifeln. Dazwischen gibt es aber auch innige, versöhnliche Momente. Beide Männer bekommen auch ein wenig Romantik zugestanden, Vasko mit Maria und Mityo mit einer Nachbarin. Ovanes Torosian spielt Vasko als düster-charismatische Figur, während Assen Blatechki als Mityo manchmal zu geduldig, zu bemüht, zu positiv sein muss, weil dieser Charakter ziemlich idealtypisch und dabei etwas zu simpel angelegt ist. Dennoch überzeugt der Film mit seiner intensiven Atmosphäre und seinem Bemühen um Aufarbeitung bulgarischer Zeitgeschichte.

Fazit: Am Beispiel einer konfliktreichen Vater-Sohn-Beziehung arbeitet dieses überzeugende, atmosphärisch dichte Drama ein dunkles Kapitel aus der kommunistischen Ära Bulgariens auf und zeichnet gleichzeitig ein realitätsnahes Bild der schwierigen Gegenwartslage des Landes.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollDer Film des Bulgaren Stefan Komendarev ist eine Tragödie im klassischen Sinn. Hier geht es um Schuld, Sühne, Vergebung und Erlösung, um die Schatten der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reichen. Im Mittelpunkt steht Mityo, ein Mann von Mitte [...mehr]

TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Judgment - Grenze der Hoffnung

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland, Bulgarien, Kroatien, Die ehemalige jugoslawische Republik von Mazedonien
Jahr: 2015
Genre: Drama
Länge: 107 Minuten
Kinostart: 23.04.2015
Regie: Stephan Komandarev
Darsteller: Assen Blatechki als Mitio, Ovanes Torosian als Vasko, Ina Nikolova als Maria
Verleih: farbfilm verleih

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.