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Maxilari
Maxilari
© Lichtblick Film- und Fernsehproduktion © Atopia GbR

Kritik: Maxilari (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Qualität eines Films hängt nicht von der Höhe seines Budgets ab. Auch mit begrenzten Mitteln ist kluges, innovatives Kino möglich. Das hat der mit einem Berufsverbot belegte iranische Regisseur Jafar Panahi bereits mehrfach bewiesen. Für seinen jüngsten Film "Taxi" gab es bei der 65. Berlinale den Goldenen Bären.

So hoch wird der Preisregen für "Maxilari" nicht ausfallen. Regisseur Konstantinos Kakogiannis geht jedoch mit ähnlichen Mitteln an seinen Film heran. Auch "Maxilari" beschränkt sich auf einen Handlungsort. Und auch im Drama des Griechen wird der Zustand der Gesellschaft diskutiert.

Entscheidend sind dabei die Gespräche. Denn der Aktionsradius der Protagonisten ist an einem verlassenen Strand überschaubar. Schnell wird deutlich, wie sehr Gewohnheiten auch fernab der Zivilisation das Zusammenleben bestimmen. So führen die sechs Freunde auch am Strand ein geordnetes und von Tagesabläufen vorgeformtes Leben. Einen Ausbruch aus dieser Routine bilden die Gedankenexperimente, die sie in ihren Diskussionen spinnen.

Der Aufenthalt am Strand kann folglich als Metapher auf das alltägliche Leben verstanden werden, wie so vieles in "Maxilari" (griechisch für "Kissen") symbolisch aufgeladen ist. Da gibt es beispielsweise den stummen Nachbarn, der in seinem weißen Gewand die Szenerie immer wieder unterbricht, um den Zuschauern anzuzeigen, was am Strand und somit auch in einer überreglementierten Gesellschaft alles verboten ist. Das titelgebende Kissen steht stellvertretend für einen Komfort, an den sich die Protagonisten gewöhnt haben und den sie nicht mehr hergeben wollen. Und so stellt "Maxilari" auch stets die Frage, was die (europäischen) Staaten nach der Finanzkrise 2008 bereit sind, von ihren Errungenschaften – seien diese politischer oder monetärer Natur – zu opfern.

Für Griechenland zeichnet Kakogiannis ein ambivalentes Bild. Seine Figuren sind ob ihrer Zukunft zutiefst verunsichert, hin und hergerissen zwischen Emigration und ihren heimischen Wurzeln. Ihre Reizbarkeit und Erregung machen es den Zuschauern manchmal schwer, dem Film zu folgen. Denn der Chor der Stimmen und Meinungen ist so vielfältig und schnell, dass ein Nichtmuttersprachler mit der Geschwindigkeit der Untertitel kaum Schritt halten kann.

Das größte Manko ist jedoch die erzählerische Offenheit des Films. Eine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen vermag "Maxilari" nicht zu geben. Und so überlässt er es jedem Zuschauer selbst, sich die Anregungen mit ins eigene Leben zu nehmen. Für einen offenen Diskurs über die Lage der Zivilisation, der letztlich nur verschiedene Lösungen durchspielt, aber keine davon favorisiert, ist "Maxilari" trotz seiner Spieldauer von nur 88 Minuten entschieden zu lang. Die Diskussionen wirken schnell ermüdend, die Protagonisten drehen sich zu oft im Kreis und auch ihre Positionen scheinen altbekannt.

Fazit: Ein Drama, das mehr von seinen tiefgründigen Gesprächen als von seinen Schauwerten lebt. Trotz starker Metaphern und interessanter Argumente dreht sich der Diskurs zu schnell im Kreis und fügt dem allgemeinen Krisengerede nichts entscheidend Neues hinzu.




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