VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Melodie des Meeres
Die Melodie des Meeres
© 24 Bilder © KSM GmbH

Kritik: Die Melodie des Meeres (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der bezaubernde, handgezeichnete Animationsfilm entführt seine Zuschauer in eine verwunschene irische Sagenwelt, die um das Verhältnis der Menschen zur See kreist. Im Mittelpunkt des poetischen Abenteuers mit seinen Fabelwesen steht ein Geschwisterpaar, das ohne Mutter aufwächst. Angesichts der fantasievoll gemalten Bilderwelten verwundert es nicht, dass der Film des irischen Regisseurs Tomm Moore ("Das Geheimnis von Kells") für den Oscar 2015 in der Sparte Animation nominiert war. Die kindgerecht mit humorvollen Details und einem vertrauensvollen Grundton abgemischte Erzählung taucht mit archaischer Kraft in eine Märchenwelt, die sowohl von großer Trauer und Gefahr handelt, als auch von der höheren Macht des Guten.

Der blonde Ben ist mehr nach seinem Vater geraten, einem handfesten Iren, während die stumme Saoirse mit den großen dunklen Augen an ihre Mutter erinnert. Und die war, wie sich nach und nach herausstellt, ein Geschöpf des Meeres, ein Seehund in Menschengestalt. Saoirse ist auch eine solche Selkie: Deswegen ragen jetzt vor dem Strand unter dem Leuchtturmfelsen immer die Köpfe neugieriger Robben aus dem Wasser, die das Mädchen beobachten. Eine Selkie kann mit ihrem Gesang Wunder bewirken – aber es kommt der Tag, an dem sie sich zwischen der Welt der Menschen und der des Meeres entscheiden muss. Die Geschwister geraten mitten hinein in ein Märchenuniversum, in dem die Grenzen zwischen Realität und Magie verschwimmen. Ben entwickelt sich vom Bruder, der seine Schwester ablehnt, zum Beschützer, wie es seine Mutter prophezeite. Saoirses Doppelnatur hilft ihm gleichzeitig, sich der Mutter näher zu fühlen. Die stimmige Charakterzeichnung und die Darstellung einer Familie als dynamisches Ensemble unterschiedlicher und sogar konträrer Individuen geben der Geschichte auch einen sehr diesseitigen Charme.

Der Aquarellhimmel Irlands ist oft wolkenverhangen, die Farben der Landschaft gedeckt. Szenarien, in denen das Auffälligste vielleicht ein paar Kühe sind, wechseln sich ab mit verwunschenen Fabelwelten, in denen die visuelle Fantasie förmlich überquillt. In der Tiefe des Wassers, unter der Erde, in geheimen Gängen, gibt es Aufregendes und manchmal Unheimliches zu entdecken. Wunderbar sind diese naiv verdichteten Zeichnungen, die an die Illustrationen aus guten Märchenbüchern erinnern, in denen auch das Auge zu einer Traumreise eingeladen wird. Als roter Faden aber dient immer wieder die Musik, dem Originaltitel "Song of the Sea" entsprechend. Die Mutter singt – oder ist es der Lockruf der See, die schon so viele Menschenopfer forderte? Das Leben an der Küste ist ein Tanz mit den Elementen, von dem die irische Mythologie ganz wunderbar zu erzählen weiß.

Fazit: Betörend schön gezeichnete 2D-Animationen begleiten die abenteuerlichen Begegnungen zweier Halbwaisen mit der irischen Sagenwelt. Das poetische, bezaubernde Märchen wird als ein wahres Fest für die Sinne präsentiert.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.